Zwischen Vertrauensvorschuss und Misstrauensmanagement
Abstract
Grenzverletzungen und Formen sexualisierter Gewalt sind für weiblich gelesene Jugendliche im Kontext Sozialer Medien keine Ausnahme. Der vorliegende Beitrag untersucht technologiegestützte sexualisierte Gewalt als Momente der Irritation von Medienpraktiken und fragt danach, wie Jugendliche entsprechende Erfahrungen einordnen, welche Erwartungen sie an Schutz durch Plattformen richten und wie Verantwortung für Gewalt verhandelt wird. Auf Grundlage fokussierter Medienethnographien mit 28 Jugendlichen werden sechs Fälle analysiert, in denen technologiegestützte sexualisierte Gewalt thematisiert wurde. Die Auswertung erfolgt mithilfe der Situationsanalyse und rekonstruiert diskursive Positionen zu Verantwortung und Schutz. Die Ergebnisse zeigen, dass Vertrauen in Plattformen häufig implizit wirksam ist und erst dort sichtbar wird, wo Schutz erwartet und nicht eingelöst wird. In solchen Situationen entstehen Formen des Misstrauensmanagements: Jugendliche passen ihre eigenen Praktiken an und verorten Verantwortung für Schutz zunehmend bei sich selbst. Eine explizite Zuschreibung von Täterverantwortung bleibt hingegen im Material weitgehend eine Leerstelle. Der Beitrag zeigt damit, dass Vertrauen, Schutz und Verantwortungszuschreibungen relational organisiert sind und einen zentralen Zugang zur Analyse technologiegestützter sexualisierter Gewalt im Alltag Jugendlicher darstellen.
Fields of Study & Subjects
Gender
Feminism
and Media
and Social Issues
Sexuality
Behavior
and Technology
Publication details
- Journal / source
- MedienPädagogik Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung
- Publisher
- OAPublishing Collective
- Pages
- 179–204
- Publication date
- 30 July 2026
- Language
- DE