Fahrradstraßen im Diskurs: Narrative beteiligter Interessensgruppen zum Ausbau fahrradfreundlicher Infrastruktur am Beispiel der Fahrradstraße auf dem Grüneburgweg in Frankfurt
Abstract
Die in Frankfurt voranschreitende Neuaufteilung des Straßenraumes zugunsten des Radverkehrs wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Am Beispiel des Grüneburgwegs in Frankfurt werden Narrative beteiligter Interessensgruppen aufgedeckt und analysiert. Dafür wurden insgesamt zehn Interviews mit Anwohnenden, Gewerbetreibenden, kommunalen und politischen Interessensvertretenden geführt. Im Zentrum standen dabei die städtebauliche und verkehrliche Wirkung, die Bürgerbeteiligung und die Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität der Straße sowie den Alltag von Betroffenen. Insgesamt wurden sechs Narrative identifiziert. Die Interviewpartner wurden auf der Grundlage ihrer Positionen in Befürwortende und Kritiker*innen unterteilt. Festgestellt wurde, dass die meisten Interviewten die Fahrradstraße differenziert bewerten. In Bezug auf die Verkehrssicherheit sprechen Befürwortende von einer Steigerung der Verkehrssicherheit durch Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr. Kritiker*innen betonen das rücksichtslose und riskante Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender, welches zu einer Abnahme der Verkehrssicherheit führe. Im Rahmen des Themenschwerpunktes der Bürgerbeteiligung erzählen Befürwortende von einer umfangreichen Bürgerbeteiligung durch ausführliche Informierung der Öffentlichkeit und mehrere Ortsbeiratssitzungen, bei denen Betroffene sich einbringen konnten. Kritiker*innen hingegen sprechen von einer unzureichenden Bürgerbeteiligung durch mangelnde Informierung und Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen Betroffener, worin sie den Ursprung gestalterischer Mängel sehen. Ferner sehen Befürwortende in der Fahrradstraße einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Straße und zur Nachhaltigkeit des Verkehrs. Kritiker*innen hingegen sehen darin eine Erschwernis des Alltags. Schließlich zeigt die Masterarbeit, dass auch im Falle des Grüneburgwegs ein Interessenskonflikt zwischen denjenigen, die den Ausbau derRadverkehrsinfrastruktur als wünschenswert und notwendig im Sinne der Verkehrssicherheit und der Mobilitätswende ansehen, und anderen, die am automobildominierten Verkehrssystem in der Stadt festhalten wollen und Veränderungen ablehnen.
Publication details
- Journal / source
- Arbeitspapiere zur Mobilitätsforschung.
- Publication date
- 9 January 2026
- Language
- DE