Einsatz von maschinellen Übersetzungstools im klinischen Kontext : Abschlussbericht der DigiTools-Studie
Abstract
Bei gesundheitlichen Fragen ist die sprachliche Verständigung zentral. Lange Zeit waren Dolmetschfachpersonen die einzige Möglichkeit, mit Patient:innen zu kommunizieren, die die regionale Sprache nicht ausreichend beherrschen. Dank technologischer Entwicklungen besteht nun jedoch auch die Möglichkeit, neben Dolmetschfachpersonen auch digitale Übersetzungsgeräte oder -tools einzusetzen. Die Begriffe Übersetzungsgerät und Übersetzungstool werden in diesem Bericht synonym verwendet und decken sowohl Smartphone-Apps (z.B. Google Translate), Web-Applikationen (z.B. Mabel AI) als auch eigenständige Endgeräte (z.B. Pocketalk) ab. Doch wann ist der Einsatz von Übersetzungsgeräten angemessen und wie kann man sie am effizientesten verwenden? Im Rahmen des Projekts DigiTools sollten die Einsatzmöglichkeiten und Einschränkungen untersucht und praktische Empfehlungen für den Einsatz formuliert werden. Dabei wurden die folgenden drei Forschungsfragen formuliert: • Welche digitalen Übersetzungsgeräte existieren derzeit und welche Erfahrungen wurden mit Übersetzungsgeräten gemacht? • Welche Bedürfnisse, Praktiken, Einstellungen, und Einsatzmöglichkeiten sehen Gesundheitsfachkräfte in digitalen Übersetzungstools? • Welche datenschutzrechtlichen Aspekte sind beim Einsatz zu beachten? Diesen Fragen wurden mit verschiedenen Ansätzen verfolgt. Zunächst wurden bestehende Erkenntnisse aus Pilotprojekten der ZHAW und praktischen Erfahrungen der Spitäler gesammelt. In einem weiteren Schritt wurde eine Umfrage unter Gesundheitsfachpersonen in Spitälern, Gesundheitseinrichtungen und Asylzentren durchgeführt. Mit der Umfrage sollte in Erfahrung gebracht werden, welche Vor- und Nachteile Gesundheitsfachpersonen bei der Verwendung von Übersetzungsapps und Dolmetschfachpersonen sehen und in welchen Situationen sie sie einsetzen. Mit Gesprächssimulationen wurden drei Übersetzungstools auf ihre Einsatztauglichkeit im klinischen Alltag geprüft. In Workshops wurden typische Herausforderungen in der maschinellen Übersetzung systematisch getestet. Schliesslich wurden datenschutzrechtliche Aspekte beleuchtet, die für den Einsatz im klinischen Kontext zentral sind. Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Übersetzungstools und Dolmetschfachpersonen stark durch ihre Stärken und Schwächen bestimmt wird. Übersetzungstools erfordern keine Planung und sind praktisch für den sofortigen Einsatz. Die Übersetzungsqualität ist allerdings nicht immer zuverlässig und die Kommunikation über ein Übersetzungsgerät, insbesondere über längere Zeit oder bei komplexeren Themen, wird oft als anstrengend und zeitaufwändig erfahren. Strategien zur Optimierung der Spracheingabe wie die Verwendung von Standardsprache und zur Verständnissicherung wie Nachfragen sind wesentlich, damit die Kommunikation gelingt. Übersetzungsgeräte sind daher besonders für spontane Interaktionen geeignet, die nicht planbar und wenig komplex sind. Der grösste Nachteil bei Dolmetschfachpersonen wird in der Organisation erfahren, da sich der Bedarf oft schlecht vorhersagen lässt. Allerdings ist die Kommunikation über eine Dolmetschfachperson oft differenzierter und nuancierter. Entsprechend werden Dolmetschfachpersonen vor allem bei geplanten, langwierigen Gesprächen eingesetzt. Die folgenden Abschnitte fassen die Empfehlungen für den Einsatz von Übersetzungsgeräten zusammen.
Fields of Study & Subjects
Interpreting and Communication in Healthcare
Translation Studies and Practices
Linguistic Education and Pedagogy
Publication details
- Journal / source
- Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften digital collection (Zurich University of Applied Sciences)
- Publication date
- 9 January 2026
- Language
- DE