Queer Identities - Geschlechternormen und -überschreitungen in der Literatur

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Authors: Caroline Kuhtz
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Abstract

Diese Dissertation untersucht, wie Geschlechtszugehorigkeit und Geschlechtsidentitat auf Identitatserzahlungen einwirken und welche Probleme bzw. Chancen sich durch die Infragestellung und durch abweichende Lebensentwurfe von gesellschaftlich sanktionierten Identitatsfolien ergeben. Die Arbeit befasst sich mit der Konstruktion der sozialen Geschlechtsidentitat in Texten, die vom 18. bis zum 21. Jahrhundert Beispiele liefern zu der Frage, wie Mannlichkeit, Weiblichkeit und als Verstos gegen diese sozialen Normen gekennzeichnetes Verhalten durch Texte hergestellt werden. Es wird die These aufgestellt, dass kulturelle Artefakte dieses Erzahlgeschehen nachhaltig beeinflussen, und dass sich individuelle Identitatserzahlungen auch direkt auf solche Artefakte beziehen konnen. Im ersten Teil der Dissertation geht es so um abweichendes Verhalten von Geschlechterrollen, die sich im eng umgrenzten Feld von „Weiblichkeit“ und „Mannlichkeit“ bewegen. In den in diesem Abschnitt untersuchten Romanen sind die Grenzen zwischen Mannlichkeit und Weiblichkeit scharf gezeichnet, und es wird keine Auflosung dieser zweigeteilten Geschlechterdifferenz angedacht. Figuren erhalten weiblich bzw. mannlich konnotierte Charakterzuge oder Wunsche, die deutlich auf das Bestehen von Grenzen verweisen und so die queerness der Identitat herstellen. Eine Identitat jenseits der Rollenvorstellung wird haufig mit Marginalisierung bestraft, oder wie im Fall der Emma Bovary, mit dem Selbstmord der Figur zerstort. Im zweiten Abschnitt wird die Frage nach dem Wechselspiel von Identitat und gleichgeschlechtlichem Begehren und der damit verbundenen Hinterfragung der Zweigeschlechtlichkeit gestellt. Konzepte des gleichgeschlechtlichen Begehrens werden vorgestellt und eine Auswahl von Texten zu diesem Thema befragt, unterteilt in die Bereiche Literatur der Moderne, Unterhaltungsliteratur und Jugendliteratur. In der Literatur der Moderne, in der gleichgeschlechtliches Begehren das erste Mal seit Jahrhunderten wieder offen thematisiert wird, wirken sich diese Konzepte deutlich auf das Erzahlgeschehen und das Erzahlen selbst aus. So wird der Roman selbst zu einem queeren, nur durch seine Unbestimmbarkeit bestimmbaren Ort. Unterhaltungsliteratur und Jugendliteratur prasentieren gleichgeschlechtliches Begehren hauptsachlich funktionsgebunden, sei es zur Abschreckung oder zur Anleitung, wie die eigene Identitat als queer lesbar zu machen ist. Im Zentrum der Dissertation steht so die Frage nach der Lesbarkeit und der Lesbarmachung von Identitaten, und auf welche Weise nicht nur das Verhalten, sondern auch der geschlechtlich markierte Korper in diese Lesbarmachung einbezogen wird. Kulturelle Artefakte als Performanzanleitungen stellen sicher, dass Identitat lesbar bleibt und konnen, wie im Fall der Werbung, die auf eine vollig neue Gruppe von Identitaten abzielt, auch Intelligibilitat herstellen.

Fields of Study & Subjects

German Literature and Culture Studies European history and politics German Colonialism and Identity Studies

Publication details

Journal / source
HilDok – Institutional Repository (Universität Hildesheim)
Publication date
24 April 2026
Language
DE
Document type
Thesis