Wiederholtes Implantationsversagen nach IVF/ICSI- Übersicht zu aktuellen Handlungsempfehlungen mit der Datenauswertung der Auswirkung von Intralipid Infusion und Behandlung chronischer Endometritis auf Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten aus dem Universitäts-Fortpflanzungszentrum Franken
Abstract
Hintergrund und Ziele Sterilität – definiert als Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten ungeschütztem Geschlechtsverkehr – betrifft weltweit etwa jede sechste Person und ist mit erheblichen psychischen und somatischen Folgeerkrankungen assoziiert (WHO 2023; Cedars et al. 2017). Assistierte Reproduktionstechnologien (ART) wie IVF/ICSI haben die Behandlungs-möglichkeiten erweitert, doch etwa 5 % der Paare erleben trotz qualitativ guter Embryonen wiederholtes Implantationsversagen (RIF). Die European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) empfiehlt, RIF bei Ausbleiben einer klinischen Schwangerschaft nach zwei bis drei Transfers zu diagnostizieren (Cimadomo et al. 2023). Ziel dieser retrospektiven Doktorarbeit war es, bei 41 Patientinnen mit RIF die Häufigkeit von Sterilitätsursachen, diagnostische Zusatzverfahren (pNK-Test, Endometriumbiopsie) und experimentelle Therapien (Lipofundin-Infusion, antibiotische Behandlung bei chronischer Endometritis) zu erfassen sowie deren Wirkung auf Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten zu evaluieren. Methoden Zwischen Januar 2020 und August 2023 wurden insgesamt 41 Frauen mit dokumentiertem RIF am Universitäts-Fortpflanzungszentrum Franken retrospektiv eingeschlossen. Einschlusskriterien waren mindestens zwei fehlgeschlagene Embryotransfers mit qualitativ guten Embryonen und vollständige klinische Datenerfassung. Erhobene Parameter umfassten Alter, Sterilitätsdauer, Anzahl und Art der ART-Zyklen, Transferzahlen, Ergebnisse von uNK-Tests und Endometriumbiopsien (inkl. CD138-Färbung und ERA-Test), Lipofundin- bzw. antibiotische Therapien, Schwangerschaften und Lebendgeburten. Die Daten wurden pseudonymisiert in SPSS 28 ausgewertet. Deskriptive Statistiken beschrieben Mittelwerte (z. B. Alter 34,9 J., Sterilitätsdauer 3,3 J., durchschnittlich 5,6 ART-Zyklen) und Häufigkeiten. Ergebnisse und Beobachtungen Insgesamt wurden bei den 41 Patientinnen 227 ART-Zyklen durchgeführt. Die meisten Frauen durchliefen vier bis fünf Behandlungszyklen (26,8 % bzw. 22,0 %), während einzelne Ausreißer bis zu 13 Zyklen absolvierten (je 2,4 %). Als führende Sterilitätsursachen erwiesen sich pathologische Spermiogramme (34 %), gefolgt von eingeschränkter ovarieller Reserve (17 %) und Tubenfaktor (15 %). Die kumulative Chance auf eine Lebendgeburt im nächsten ART-Zyklus lag gemäß IVFpredict bei den meisten Patientinnen zwischen 20 % und 40 %, mit einem Häufigkeitsgipfel bei 23 %. Der periphere NK-Zelltest fiel bei 28 Patientinnen (68,3 %) auffällig aus; von diesen entschieden sich 22 (78,6 %) für eine Lipofundin-Infusion, während 6 (21,4 %) ablehnten. Patientinnen mit unauffälligem Testergebnis oder ohne Test erhielten keine Lipofundin-Therapie, sodass insgesamt 22 von 41 Frauen (53,7 %) behandelt wurden. Fast die Hälfte der Kohorte (20 Patientinnen; 48,8 %) unterzog sich einer Endometriumbiopsie: Fünf Proben (12,2 %) wiesen eine chronische Endometritis auf, eine Probe (2,4 %) kombinierte Endometritis mit einer Verschiebung des Window of Implantation (WOI), neun (22,0 %) waren unauffällig, und weitere fünf (12,2 %) zeigten eine isolierte WOI-Verschiebung. Eine antibiotische Therapie erhielt nur eine Minderheit von vier Patientinnen (9,8 %). Insgesamt wurden 280 Stimulationszyklen dokumentiert. Die Mehrheit der Patientinnen erhielt vier bis fünf Stimulationen. Die durchschnittliche Gonadotropindosis lag zu Beginn bei über 2000 IE und sank im Verlauf der Zyklen deutlich ab. Der Tag des Embryotransfers lag in der Mehrzahl der Fälle zwischen Tag 3 und Tag 5 nach Follikelpunktion, mit einem Häufigkeitsgipfel an Tag 5 (n = 30). Insgesamt wurden 171 Transfers durchgeführt. Im Verlauf wurden zunehmend Blastozysten anstelle von Embryonen im Cleavage-Stadium transferiert. Trotz dieser umfangreichen Diagnostik und Therapieversuche führten die 171 Embryotransfers zu lediglich 11 Schwangerschaften (6,4 % pro Transfer): Sieben Patientinnen (17,1 %) wurden einmalig und zwei (4,9 %) zweimal schwanger, während 32 Frauen (78,0 %) ohne Schwangerschaft blieben. Nur vier Patientinnen (9,8 %) erzielten letztlich eine Lebendgeburt. Schlussfolgerungen und Diskussion Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der RIF-Patientinnen nach vier bis fünf gescheiterten Zyklen die Behandlung abbricht. Trotz experimenteller Zugänge wie Lipofundin-Infusionen und Endometritis-Therapie gelangen nur in wenigen Fällen Schwangerschaften und noch seltener Lebendgeburten, was die schwierige Prognose bei RIF unterstreicht. Immunologische Diagnostik (pNK/uNK) erbrachte häufige Auffälligkeiten, doch der Nutzen von Intralipid bleibt aufgrund widersprüchlicher Evidenz unklar. Ebenso bestehen Unsicherheiten bei Indikationen und Schwellenwerten für die Endometritis-Behandlung, da in dieser Kohorte keine Schwangerschaftserfolge nach Antibiotika beobachtet wurden. Die kleine Fallzahl und fehlende statistische Tests schränken die Übertragbarkeit ein. Zukünftige Studien sollten größere Kollektive untersuchen, individualisierte Erfolgswahrscheinlichkeiten stärker gewichten und randomisierte kontrollierte Designs einsetzen, um den Nutzen immunologischer und endometrialer Add-ons bei RIF valide zu prüfen.
Fields of Study & Subjects
Reproductive System and Pregnancy
Ovarian function and disorders
Pregnancy and Medication Impact
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis