Eine prospektive klinische Studie zum Blutungsrisiko nach dentoalveolären Eingriffen bei Medikation mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs)

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Authors: Lena Johanna Uttendorfer
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Abstract

Zusammenfassung Hintergrund und Ziele Lange Zeit galten Vitamin-K-Antagonisten wie Warfarin und Phenprocoumon als die Medikamente der Wahl zur oralen Antikoagulation. Seit einigen Jahren jedoch gewinnt die Gruppe der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) zunehmend an Bedeutung. Aufgrund ihrer pharmakokinetischen Eigenschaften bieten DOAKs die Möglichkeit, die Einnahme vor geplanten oralchirurgischen Eingriffen zu pausieren, um das Risiko postoperativer Blutungsereignisse potenziell zu verringern. Es mangelt jedoch an umfangreichen Studien, um den tatsächlichen Nutzen dieser Strategie, insbesondere vor dem Hintergrund des möglicherweise damit verbundenen erhöhten thromboembolischen Risikos, durch einen direkten Vergleich zu belegen. Daher konzentriert sich diese prospektive klinische Studie auf den Vergleich der Inzidenz von Nachblutungsereignissen nach oralchirurgischen Eingriffen bei Patientengruppen unter Antikoagulation mit DOAKs bei fortgeführter sowie bei pausierter Antikoagulation. Design und Methoden Es handelt sich um eine klinisch prospektive, monozentrische Beobachtungsstudie, die in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie des Uniklinikums Erlangen durchgeführt wurde. Alle Studienteilnehmer standen unter Antikoagulation mit einem direkten oralen Antikoagulans (Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban). Die Patientenkohorte wurde zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. In Studiengruppe 1 wurde die antikoagulative Therapie während des oralchirurgischen Eingriffs fortgeführt, während in Studiengruppe 2 die letzte reguläre Dosis der Antikoagulation vor der Operation pausiert wurde. Die verschiedenen Eingriffe wurden hinsichtlich des Ausmaßes des chirurgischen Traumas und dem damit verbundenen Blutungsrisiko klassifiziert. Nach erfolgter Operation wurde das Auftreten postoperativer Blutungsereignisse im Rahmen der Kontrolluntersuchungen evaluiert. Hierbei fand eine Einteilung in keine Blutung (Grad 0), leichte Blutungen (Grad 1a bis 1c), mittelschwere Blutungen (Grad 2) und schwere Blutungen (Grad 3) statt. Daraufhin wurden die Beobachtungen hinsichtlich möglicher Zusammenhänge zwischen den beiden Studiengruppen und diverser eingriffs- und patientenspezifischer Parameter untersucht. Beobachtungen und Ergebnisse Es konnten keine Zusammenhänge zwischen der Inzidenz von Nachblutungsereignissen und dem Geschlecht, Patientenalter zum Zeitpunkt der Operation, doppelter Antikoagulation sowie der Eingriffsgröße festgestellt werden. Ein signifikanter Zusammenhang jedoch zeigte sich hinsichtlich des Medikamenten-Subtyps sowie der Zugehörigkeit zu den jeweiligen Studiengruppen. Bei Antikoagulation mit Dabigatran und Apixaban traten mit 0 % und 24,1 % signifikant weniger Nachblutungen auf als bei Medikation mit Rivaroxaban (61,9 %) oder Edoxaban (55,6 %). Zudem konnten in der Studiengruppe 2, bei welcher die Antikoagulation präoperativ pausierte wurde, signifikant mehr Nachblutungsereignisse registriert werden. 16 der insgesamt 37 Komplikationen traten in Gruppe 2 auf, was bei einer Stichprobengröße von 36 untersuchten Fällen in Gruppe 2 einer Inzidenz von 44,4 % entsprach, während in Gruppe 1 mit einem Umfang von 64 registrierten Eingriffen lediglich 21 Nachblutungen (32,8 %) registriert wurden. Am deutlichsten zeigte sich diese Diskrepanz bei der Patientengruppe, welche mit Apixaban antikoaguliert war. Bei 32 von 37 registrierten Ereignissen (86,5 %) handelte es sich um leichte Nachblutungen der Kategorien 1a-1c. Die restlichen fünf Nachblutungsereignisse entsprachen der Kategorie 2 und erforderten weitere Maßnahmen zur Blutstillung; eine stationäre Aufnahme (Kategorie 3) war in keinem der Fälle notwendig. Diskussion und Schlussfolgerung Im Widerspruch zur ursprünglichen Hypothese, die von einer reduzierten Inzidenz postoperativer Nachblutungen bei pausierter Antikoagulation mit DOAKs ausging, zeigte die durchgeführte Studie ein erhöhtes Risiko für postoperative Blutungskomplikationen in dieser Patientengruppe. Durch die begrenzten Stichprobengrößen sowie weitere methodische Limitationen sind die Resultate nur eingeschränkt aussagekräftig. Dennoch suggeriert die sich abzeichnende Tendenz, die übliche Praxis des präoperativen Pausierens von direkten oralen Antikoagulanzien kritisch zu hinterfragen. Es sind weitere umfangreiche Studien notwendig, um die Ergebnisse zu validieren und konkretisieren.

Fields of Study & Subjects

Nosocomial Infections in ICU Atrial Fibrillation Management and Outcomes Otolaryngology and Infectious Diseases

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis