Arbeitsbezogene psychische Gesundheit von Migrant:innen und Geflüchteten in Europa

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Authors: Regina Herold
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Abstract

Hintergrund und Ziele: Migrant:innen im Allgemeinen sowie Geflüchtete im Spezifischen machen einen großen Teil der europäischen Erwerbsbevölkerung aus. Im Aufnahmeland sind sie auf dem Arbeitsmarkt oft von Benachteiligungen wie ungünstigen Arbeitsbedingungen betroffen, welche sich negativ auf ihre psychische Gesundheit und somit auf ihre Arbeitskraft auswirken können. Um gezielt auf potenzielle Benachteiligungen reagieren zu können, ist es vonnöten, verschiedene Migrant:innensubpopulationen separat voneinander zu betrachten. Zu diesem Zweck wurden in der vorliegenden Arbeit umfassende Untersuchungen über die Arbeitsbedingungen und deren Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund (Teilstudien I, II, III, IV und V), zwischen freiwilligen Migrant:innen und Geflüchteten/Asylsuchenden (Teilstudien I und III), zwischen Migrant:innen und Geflüchteten aus kollektivistischen und individualistischen Gesellschaften (Teilstudien I und III), zwischen Personen mit Migrationshintergrund aus Ländern unterschiedlichen sozioökonomischen Status (Teilstudie V), zwischen Personen der ersten und zweiten Migrant:innengeneration (Teilstudien IV und V) und zwischen unterschiedlichen europäischen Aufnahmeländern (Teilstudien I und III) vorgenommen. Methoden: Zwei systematische Reviews zu Arbeitsbedingungen und deren Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit von Migrant:innen und Geflüchteten/Asylsuchenden sowie Einheimischen in Europa wurden basierend auf den geltenden Standards („Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analysis“, PRISMA (Moher et al. 2009, Page et al. 2021) sowie „Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions“ (Higgins et al. 2019)) umgesetzt. Zusätzlich wurden zwei Analysen im Querschnittdesign durchgeführt. Eine der Analysen bediente sich der Baseline-Erhebung einer prospektiven, randomisiert-kontrollierten Studie, welche unter anderem Arbeitsbedingungen und die psychische Gesundheit belasteter Beschäftigter erforschte. Die zweite Untersuchung nutzte Daten des ersten Messzeitpunkts der prospektiven VOICE-Studie über die psychische Gesundheit des deutschen Gesundheitspersonals zu Zeiten der globalen COVID-19-Pandemie. Ergebnisse und Beobachtungen: Migrant:innen im Allgemeinen sowie Geflüchtete im Spezifischen erlebten im Arbeitskontext im Gegensatz zu Einheimischen oftmals Benachteiligungen. Dazu zählten organisationale Bedingungen (Arbeitsangebote von geringer Qualifizierung, Überqualifizierung für angenommene Arbeit, befristete Arbeitsverträge, Schichtarbeit, geringere Belohnungslevels) sowie soziale Bedingungen (Diskriminierungserfahrungen). Die meisten ungünstigen Arbeitsbedingungen zeigten sowohl für Migrant:innen und Geflüchtete als auch für Einheimische einen negativen Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit, unabhängig von der kulturellen Prägung und dem Aufnahmeland. Migrant:innen und Geflüchtete aus kollektivistischen Gesellschaften waren von ungünstigen Arbeitsbedingungen besonders betroffen. Gesundheitspersonal der ersten Migrant:innengeneration aus Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen (Middle- und Low-Income Countries) wies höhere Depressionslevels auf als Gesundheitspersonal der ersten Migrant:innengeneration aus Hochlohnländern (High-Income Countries). Unabhängig vom Migrationshintergrund zeigten sich Frauen (Ängstlichkeit und somatische Symptome) sowie ältere Menschen (somatische Symptome) unter psychisch belasteten Beschäftigten als besonders vulnerabel im Hinblick auf die psychische Gesundheit. Schlussfolgerungen und Diskussion: Um die psychische Gesundheit der erwerbstätigen Gesellschaft und somit ihre Arbeitskraft aufrechtzuerhalten, ist es notwendig, ihre Arbeitsbedingungen zu kontrollieren und zu verbessern. Weiterhin sollten Präventionsprogramme und niedrigschwellige psychotherapeutische Interventionen sowie regelmäßige Gesundheitsscreenings für Beschäftigte angeboten werden. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf ungünstige Arbeitsbedingungen sowie die psychische Gesundheit vulnerabler Bevölkerungsgruppen wie Migrant:innen im Allgemeinen und Geflüchtete im Spezifischen, Frauen sowie ältere Personen gelegt werden. Dabei sollten auch die kulturelle Herkunft sowie der sozioökonomische Status des Herkunftslandes der Personen mit Migrationshintergrund bedacht werden.

Fields of Study & Subjects

Migration Health and Trauma Workplace Health and Well-being Employment and Welfare Studies

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis