Die Anwendung von Cannabinoiden in der pädiatrischen Palliativmedizin - Eine retrospektive Single Center Datenanalyse

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Authors: David Tagsold
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Abstract

Hintergrund und Ziele Diese Publikationsdissertation befasst sich mit dem Einsatz von cannabinoidhaltigen Substanzen in der pädiatrischen Palliativmedizin. Das Team der Kinder- und Jugendklink der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) betreut Patientinnen, zu deren Therapieregime cannabinoidhaltige Medikamente zählen. Die Anzahl der Studien, die sich speziell mit deren Einsatz in der pädiatrischen Palliativmedizin beschäftigen ist begrenzt. Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, den Einsatz von Cannabinoiden in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch das spezialisierte ambulante pädiatrisch palliative Versorgungs-Team (SAPPV-Team) Erlangen zu analysieren und Daten eines pädiatrischen Palliativ-Patienten-Kollektivs bereitzustellen. Es wurden die diesbezüglich angewandten Medikamente, das Alter der Patientinnen sowie individuelle Informationen wie Indikation, Therapieziele, Einschätzungen der Wirksamkeit durch behandelnde Ärztinnen und ein etwaiger Einfluss auf die Tagesstruktur herausgearbeitet. Hiermit soll die Datenlage zur Entwicklung evidenzbasierter pädiatrischer Therapieansätze verbessert werden. Methoden Im Rahmen dieser Dissertation wurde ein Patientenkollektiv untersucht, das im Zeitraum vom 01.05.2011 bis zum 15.01.2021 infolge einer lebenslimitierenden Erkrankung im Kindesalter mit cannabinoidhaltigen Substanzen behandelt wurde. Es handelt sich um eine retrospektive Datenanalyse von Patientinnen, welche durch das Team der SAPPV an der Kinder- und Jugendklinik der FAU in Erlangen betreut wurden. Wir überprüften anhand der ausgestellten Betäubungsmittelrezepte bei welchen Patientinnen im festgelegten Zeitraum cannabinoidhaltige Medikamente eingesetzt wurden, diese wurden dann katalogisiert. Dabei wurde untersucht, welche Medikamente angewandt wurden, welcher Formenkreis der führenden Diagnose vorherrschte, mit welchen Indikationen die Behandlung durchgeführt wurde und wie die Einschätzung der Wirksamkeit durch die behandelnden Ärztinnen war; ergänzend wurden verschiedene anthropometrische Daten herausgearbeitet. Wir werteten es unter anderem als eine Verbesserung der Tagesstruktur, wenn von Patientinnen, Eltern oder Palliativteam berichtet wurde, dass sich seit der Verabreichung von Cannabinoiden der Schlafrhythmus verbessert hatte, die Zahl der Anfälle zurückgegangen war, die Nahrungsaufnahme optimiert werden konnte oder die Handhabung im Alltag erleichtert worden war. Ergebnisse und Beobachtungen Die Patientenkohorte umfasste 33 Patientinnen, die mit cannabinoidhaltigen Medikamenten in dem o.g. Zeitraum behandelt wurden. 31 Patientinnen erfüllten die Einschlusskriterien der Untersuchung. Die von uns identifizierten Indikationen waren Spastik, Schmerz, Unruhe, Angst, Appetitlosigkeit, Epilepsie und Paresen. Vom SAPPV-Team verordnete Medikamente waren Dronabinol (64,5 %), Sativex® (25,8 %), Cannabisblüten (6,5 %) und Epidyolex® (3 %). Die Formenkreise der Hauptdiagnosen setzten sich aus neuropädiatrischen (n=15; 48,4 %), onkologischen (n=10; 32,2 %), Stoffwechselerkrankungen (n=5; 16,1 %) sowie einer Diagnose aus dem Formenkreis kardiologischer Erkrankungen zusammen. Einzelne Aspekte der Lebensqualität wurden bei 20 von 31 Patientinnen (64,5 %) positiv beeinflusst. Es fanden sich keine erkennbaren Interaktionen mit anderen Medikamentengruppen, obwohl eine solche nicht ausgeschlossen werden kann. Schlussfolgerungen Aufgrund der uns vorliegenden Daten scheinen Cannabinoide bei den geschilderten pädiatrischen Krankheitsbildern sicher einsetzbar zu sein. Diese Therapie trug teilweise zu einer Verbesserung der Tagesstruktur bei. Bei einem geringen Teil der Patientinnen wurde die Behandlung aufgrund von ausbleibender Wirkung wieder beendet; in einem weiteren Fall wurde die Behandlung aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) beendet. Gerade in der pädiatrischen Palliativmedizin kann bereits eine geringe Verbesserung der Symptomatik, im Zusammenspiel mit anderen Therapien, zu einer großen Erleichterung für die Patientin oder auch die Interaktion mit den Angehörigen führen. Aufgrund der aktuell noch geringen Datenlage sollten Cannabinoide bei Kindern und Jugendlichen nicht als Erstlinientherapie verwendet werden, können aber als Add on-Therapie in Betracht gezogen werden.

Fields of Study & Subjects

Cannabis and Cannabinoid Research Palliative and Oncologic Care Palliative Care and End-of-Life Issues

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis