Autoinflammation und Impfung gegen SARS-CoV-2 (Englisch [engl.] severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) unter Interleukin (IL)-1-Therapie

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Authors: Leonie Geck
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Abstract

Hintergrund und Ziele: Die COVID-19-Pandemie (Englisch [engl.] coronavirus disease 2019) stellte die Menschen weltweit sowie die Gesundheitssysteme aller Länder vor bis dato unvergleichbare Herausforderungen. Die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber den innerhalb kürzester Zeit entwickelten Impfstoffen war groß. Gleichzeitig bestand die Hoffnung, endlich ein wirksames Mittel zur Bekämpfung gegen das neuartige, sich rasant über alle Kontinente ausbreitende Virus zu finden. Menschen mit nachgewiesener Immunschwäche, dazu gehören die seltenen systemischen Autoinflammationserkrankungen (engl. systemic autoinflammatory diseases, sAIDs), wurden in der Impfreihenfolge priorisiert, wenngleich der Nachweis einer Wirksamkeit der COVID-19-Impfung in ebendieser Gruppe fehlte. Mithilfe der vorliegenden klinischen Analyse sollte untersucht werden, ob die COVID-19-Impfung in einer Gruppe von sAID-Patienten unter Interleukin (IL)-1-Therapie Wirksamkeit zeigt und Faktoren identifiziert werden, die zu einer geringeren Impfantwort führen. Ferner sollten Daten zu COVID-19-Infektionen Erkenntnisse über den Infektionsverlauf nach COVID-19-Impfung und unter immunsuppressiver Therapie bei sAID-Patienten liefern. Methoden: Die SARS-CoV-2-Antikörper-Ratios (engl. severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) und neutralisierenden Antikörper von 100 sAID-Patienten und 100 gesunden Kontrollen aus einer großen COVID-19-Studie wurden mittels zwei verschiedener ELISA-Tests (engl. enzyme-linked immunosorbent assay) bestimmt. Die demografischen Daten der Patienten (Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Komorbiditäten, Medikation) sowie Informationen zur SARS-CoV-2-Impfung (Datum, Art des Impfstoffs) und zur Infektion (Datum, allgemeine Symptome, Schweregrad der Symptome) wurden in persönlichen Telefoninterviews erhoben und durch eine retrospektive Analyse von Arztbriefen im elektronischen Archiv und Dokumentenmanagementsystem Soarian® des Uniklinikums Erlangen (UKER) bis Ende Juli 2022 ergänzt. Ergebnisse und Beobachtungen: Alle vier auf dem Markt verfügbaren COVID-19-Impfstoffe führten zu einer Serokonversion in sAID-Patienten unter IL-1-Therapie. Nach der zweiten COVID-19-Impfung zeigten sAID-Patienten im Mittel höhere SARS-CoV-2-Antikörper-Ratios (6,7) als Kontrollen (5,7). Der Unterschied wurde nach statistischer Anpassung für die Zeit in Wochen zwischen Impfung und Messzeitpunkt für Patienten (9,1) und Kontrollen (21,9) bei einem p-Wert von 0,729335 als statistisch nicht signifikant gewertet. Weibliche Patienten und Kontrollen bildeten zu allen Messzeitpunkten im Mittel höhere SARS-CoV-2-Antikörper-Ratios und neutralisierende Antikörper als die männlichen Individuen ihrer Gruppe. Immunsuppressive Therapien mit einem IL-1-Inhibitor, Kortikosteroiden, Methotrexat (MTX) und/oder Colchicin konnten nicht als Risikofaktor für eine geschwächte Impfantwort identifiziert werden, jedoch zeigte sich in einem Patienten unter Behandlung mit Mycophenolat-Mofetil beziehungsweise (bzw.) Mycophenolsäure (MMF) und Tacrolimus ein fehlendes Ansprechen zu allen Messzeitpunkten. Schlussfolgerungen und Diskussion: Eine COVID-19-Grundimmunisierung sowie Boosterimpfungen zeigten in der untersuchten Studiengruppe an sAID-Patienten Wirksamkeit. Individuen mit niedrigen Ergebnissen in beiden ELISA-Tests sollen sich regelmäßigen Blutentnahmen (BE) für Testungen unterziehen und im individuellen Fall muss genau analysiert werden, welcher Faktor für eine reduzierte oder fehlende Impfantwort ursächlich sein könnte. COVID-19-Krankheitsverläufe variierten stark in Symptomatik und Schwere, eine stationäre Einweisung aufgrund einer COVID-19-Infektion war in keinem Fall notwendig. Im Allgemeinen konnte die immunsuppressive Therapie mit einem IL-1-Inhibitor nicht in Zusammenhang mit einer geschwächten Impfantwort des Immunsystems auf das Virus gebracht werden. Eine Therapieunterbrechung für den Zeitraum der Impfungen ist im Einklang mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) nicht notwendig. Zusammenfassend lässt sich postulieren, dass in der Risikogruppe der sAID-Patienten regelmäßige Bestimmungen der SARS-CoV-2-Antikörper-Ratios und der neutralisierenden Antikörper zur Kontrolle des Impferfolgs sinnvoll sind.

Fields of Study & Subjects

SARS-CoV-2 and COVID-19 Research COVID-19 Clinical Research Studies Inflammasome and immune disorders

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis