Neuromodulation in der Behandlung chronischer Darmpassagestörungen im Kindes- und Jugendalter: prospektive Kohortenuntersuchung im Vergleich der invasiven und nicht-invasiven Technik

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Authors: Annemarie Kirchgatter
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Abstract

Hintergrund und Ziele: Chronische Obstipation und Stuhlinkontinenz beeinträchtigen die Lebensqualität be-troffener Kinder und Jugendlicher erheblich. Trotz verschiedener konservativer Thera-pieoptionen erfahren 20 - 40 % der Patienten keine suffiziente Verbesserung der Symptome. Die Neuromodulation stellt eine alternative Behandlungsoption dar, die in der Erwachsenenmedizin bereits therapeutischen Nutzen bewiesen hat. Im Kindes- und Jugendalter wird sie weltweit nur an spezialisierten Zentren eingesetzt. Ziel dieser Studie ist es, die Wirksamkeit der minimal-invasiven sakralen Neuromodulation (SNM) im Vergleich zur nicht-invasiven enteralen Neuromodulation (ENM) zu evaluieren. Methoden: In einer monozentrischen, prospektiven, unverblindeten Parallelgruppenstudie wurden zwischen 2018 und 2022 Patienten mit therapieresistenter Obstipation gemäß Rom-IV-Kriterien entweder mit SNM oder ENM behandelt. Der Beobachtungszeitraum be-trug drei Monate. Primäre Zielvariablen waren Veränderungen der Defäkationsfre-quenz, Stuhlkonsistenz, Stuhlinkontinenz und Bauchschmerzepisoden. Sekundäre Endpunkte umfassten die Verbesserung der Propriozeption, Reduktion der Urininkontinenz sowie die Erfassung der Lebensqualität. Die statistische Analyse er-folgte mittels IBM® SPSS®, wobei ein Signifikanzniveau von p ≤ 0,05 zugrunde gelegt wurde. Ergebnisse und Beobachtungen: 52 Patienten wurden für die Studienteilnahme evaluiert, von denen 24 in die finale Analyse eingingen. Eine klinisch relevante Verbesserung wurde bei 80 % der SNM- und 71,4 % der ENM-Patienten beobachtet, wobei der Unterschied statistisch knapp nicht signifikant war (p = 0,063). Beide Therapieformen führten zu einer Reduktion abdominaler Schmerzen und verbesserten die Stuhlfrequenz und -konsistenz, sowie die Lebensqualität. Unter SNM wurde zudem eine Verbesserung der Urininkontinenz beobachtet. Nebenwirkungen waren bei beiden Verfahren beherrschbar: Während unter SNM die Explantation bei einem der Patienten notwendig war und tech-nische Störungen in 17,6 % der Fälle auftraten, wurden unter ENM Hautirritationen (29 %) und Elektrodenhaftungsprobleme (9,7 %) dokumentiert. Schlussfolgerungen und Diskussion: Diese Untersuchung zeigt Zwischenergebnisse der ersten prospektiven Studie, die SNM und ENM miteinander vergleicht. Die Überlegenheit einer Therapieform konnte nicht bestätigt werden. Beide Verfahren stellen effektive Therapieoptionen für thera-pierefraktäre Patienten dar. Während SNM den Vorteil einer kontinuierlichen Stimula-tion bietet, ist ENM aufgrund ihrer Nicht-Invasivität und der niedrigeren Komplikations-rate eine flexible Option für die häusliche Anwendung. Künftige Studien mit größeren Kollektiven sind erforderlich, um die langfristige Wirksamkeit und das Nutzen-Risiko-Profil beider Verfahren weiter zu evaluieren.

Fields of Study & Subjects

Gastrointestinal motility and disorders Pelvic floor disorders treatments Congenital gastrointestinal and neural anomalies

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis