Determinanten und Arbeitsmarkterträge non-formaler beruflicher Weiterbildung

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Authors: Benjamin Schimke
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Abstract

Non-formale berufliche Weiterbildung gilt als zentrale Säule lebenslangen Lernens und wird häufig als Instrument zur Sicherung von Beschäftigungsfähigkeit, zur Anpassung an technologischen Wandel sowie zur Reduktion sozialer Ungleichheiten diskutiert. Trotz ihrer hohen quantitativen Bedeutung nach dem Arbeitsmarkteintritt ist die empirische Befundlage zu Determinanten und Arbeitsmarkterträgen non-formaler Weiterbildung heterogen und teilweise widersprüchlich. Die kumulative Dissertation untersucht vor diesem Hintergrund systematisch, unter welchen Bedingungen Beschäftigte an non-formaler beruflicher Weiterbildung teilnehmen und in welchem Ausmaß sich Weiterbildungsaktivitäten in arbeitsmarktrelevanten Erträgen niederschlagen. Theoretisch ist die Arbeit an der Schnittstelle ökonomischer und soziologischer Erklärungsansätze verortet. Neben humankapital-, signal- und suchtheoretischen Überlegungen werden strukturalistische Perspektiven wie Arbeitsmarktsegmentation, Credentialismus und technologische Wandlungsprozesse herangezogen, um Weiterbildungsentscheidungen und -erträge nicht allein als Resultat individueller Investitionskalküle, sondern als eingebettet in betriebliche und arbeitsmarktliche Kontexte zu verstehen. Ein zentrales analytisches Leitmotiv bildet dabei die Beschäftigten-Arbeitsplatz-Passung als vermittelnder Mechanismus zwischen individuellen Merkmalen und betrieblichen Opportunitäten. Empirisch stützt sich die Dissertation auf drei eigenständige Beiträge, die unterschiedliche methodische Zugänge kombinieren. Der erste Beitrag analysiert anhand von Längsschnittdaten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) die Determinanten betrieblicher non-formaler Weiterbildung und zeigt, dass nicht nur individuelle, sondern insbesondere die Passung zwischen Qualifikationen, Fähigkeiten und Arbeitsplatzanforderungen die Weiterbildungsteilnahme strukturieren. Über- und fehlpassende Beschäftigungsverhältnisse gehen mit signifikant geringeren Weiterbildungschancen einher, was auf selektive betriebliche Investitionsentscheidungen verweist. Der zweite Beitrag untersucht die Rolle non-formaler Weiterbildungsnachweise für zwischenbetriebliche Arbeitsmarktmobilität und prüft, ob Weiterbildung als Signal im Prozess der Arbeitsplatzzuweisung fungiert. Die Ergebnisse der Experimentalstudie zeigen, dass non-formale Weiterbildung die Beschäftigungschancen erhöht und dabei sowohl Motivation als auch berufliche Fähigkeiten signalisiert. Die Befunde legen zudem nahe, dass bislang ausbleibende Mobilitätseffekte in der bisherigen Forschung vermutlich auf Selektions- und Selbstselektionsmechanismen zurückzuführen sind. Der dritte Beitrag erweitert die Perspektive auf Arbeitsmarkterträge, indem strukturelle Bedingungen systematisch einbezogen werden. In der experimentellen Studie wird analysiert, inwiefern der Nutzen non-formaler Weiterbildungsnachweise für Beschäftigungschancen von beruflichen Automatisierungsrisiken abhängt. Die Befunde zeigen, dass der arbeitsmarktliche Wert von Weiterbildung kontextabhängig variiert und in Berufen mit hohem Automatisierungsrisiko geringer ausfällt. Insgesamt leistet die Dissertation einen Beitrag zur Erweiterung des Forschungsstands zu non-formaler beruflicher Weiterbildung, indem sie mikro-, meso- und makrostrukturelle Einflussfaktoren integriert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Weiterbildung weder ein per se ungleichheitsreduzierendes Instrument noch ein verlässlicher Karrierehebel ist, sondern in hohem Maße von betrieblichen Passungsverhältnissen und strukturellen Arbeitsmarktbedingungen abhängt.

Fields of Study & Subjects

Education and Labor Relations Vocational Education and Training Labor market dynamics and wage inequality

Publication details

Publication date
19 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis