Retrospektive Auswertung von Serumkonzentrationen und QTc-Zeitverlängerung bei Kindern und Jugendlichen unter Behandlung mit Fluoxetin, Sertralin und Escitalopram
Abstract
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) wie Escitalopram, Sertralin und Fluoxetin gehören zu den am häufigsten eingesetzten Psychopharmaka in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für Erwachsene ist ein Zusammenhang zwischen SSRI-Dosis, Serumkonzentration und einer Verlängerung der QTc-Zeit beschrieben, die als potenziell lebensbedrohliche unerwünschte Arzneimittelwirkung klinisch relevant ist. Aufgrund alters- und entwicklungsabhängiger Unterschiede in der Pharmakokinetik lassen sich diese Erkenntnisse jedoch nicht ohne Weiteres auf Kinder und Jugendliche übertragen. Entsprechende Daten für diese Patientengruppe sind bislang begrenzt. Ziel der vorliegenden retrospektiven Studie war es, den Einfluss der mittels Therapeutic Drug Monitoring (TDM) bestimmten Serumkonzentrationen von Escitalopram, Sertralin und Fluoxetin auf die QTc-Zeit bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Zunächst wurde analysiert, ob unter Therapie mit den genannten SSRIs QTc-Zeitverlängerungen auftreten. Diese zeigten sich bei 5,3 % der Patienten unter Escitalopram, 4,2 % unter Sertralin und 5,4 % unter Fluoxetin. Anschließend wurde der Zusammenhang zwischen Serumkonzentration und QTc-Zeit geprüft. Für Escitalopram und Sertralin ergab sich kein statistisch signifikanter Zusammenhang. Hingegen konnte für Norfluoxetin, den aktiven Metaboliten von Fluoxetin, eine signifikante Korrelation mit der QTc-Zeit nachgewiesen werden. Abschließend wurde untersucht, ob eine Anpassung der therapeutischen Referenzbereiche (TR) zur Reduktion des Risikos von QTc-Zeitverlängerungen beitragen könnte. Für Escitalopram und Sertralin befand sich kein Patient mit QTc-Zeitverlängerung im oberen Bereich oder oberhalb des TR, sodass sich kein Vorteil eines niedrigeren TR ableiten lässt. Für Fluoxetin deuten die Ergebnisse darauf hin, dass insbesondere die Berücksichtigung eines spezifischen Referenzbereichs für Norfluoxetin sinnvoll sein könnte. Aufgrund der begrenzten Stichprobengröße sind Studien erforderlich.
Fields of Study & Subjects
Pharmacogenetics and Drug Metabolism
Pharmaceutical studies and practices
Cardiac electrophysiology and arrhythmias
Publication details
- Journal / source
- Online Publication Service of Würzburg University (Würzburg University)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis