Antiretrovirale Medikamentenresistenz bei therapienaiven Patienten mit frischer versus länger zurückliegender HIV-Diagnose in Mwanza (Tansania)

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Authors: Carolina Knauer [geb. Seemann]
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Abstract

Hintergrund: Seit circa 20 Jahren stehen antiretrovirale Medikamente für HIV-infizierte Menschen flächendeckend auch in Ländern mit niedrigem Einkommen zur Verfügung. Dadurch hat sich die medikamentöse Versorgung von HIV-Patienten insbesondere in Subsahara-Afrika substanziell verbessert. Eine unkontrollierte Ausgabe von antiviralen Medikamenten führt jedoch in der Regel zu einer Selektion medikamentenresistenter Viren. Ziel dieser Arbeit war es, die Prävalenz medikamentenresistenter HIV-Infektionen (HIVDR, HIV drug resistance) in der Viktoriasee-Region in Tansania bei therapienaiven Patienten zu bestimmen und abhängig von Alter und Zeitpunkt der Diagnosestellung miteinander zu vergleichen. HIVDR-Prävalenzen von 15 % werden als kritisch angesehen. Hier sollte alle zwei bis vier Jahre eine Kontrolluntersuchung stattfinden. Methoden: Im Zeitraum 2013-2015 wurden im BMC in Mwanza, Tansania, von 236 therapienaiven Patienten mit HIV-Infektion Blutproben entnommen und Plasma gewonnen. Dies wurde an das Institut für Virologie in Würzburg verschickt. Aus dem Blutplasma konnten RNA isoliert und in cDNA umgeschrieben werden. Mittels bulk-Sequenzierung wurden Teile der pol-Region von HIV sequenziert (Reverse-Transkriptase- und Protease-Gen). Mit Hilfe der Stanford Database wurde ein genotypischer Resistenztest für antiretrovirale Medikamente durchgeführt, insbesondere in Hinblick auf die in Tansania zum Zeitpunkt der Studie standardmäßig verwendete Medikamentenkombination TLE (Tenofovir, Lamivudin, Efavirenz). Mit Hilfe der Rega-Software konnten die viralen Subtypen im pol-Gen bestimmt werden. Ergebnisse: Die 236 Patientenproben wurden in 3 Gruppen aufgeteilt. 18 Patienten gehörten Gruppe 1 (< 25 Jahre und frisch diagnostizierte HIV-Infektion) an, 86 Patienten wurden zu Gruppe 2 gezählt (> 25 Jahre und frisch diagnostizierte HIV-Infektion). Gruppe 3 bestand aus den restlichen 132 Patienten (> 25 Jahre und länger zurückliegende HIV-Diagnosestellung). Die 70 untersuchten Sequenzen entsprachen zu etwa gleichen Teilen den Subtypen A, C, D und AE, was für die untersuchte Viktoriasee-Region typisch ist. TLE Medikamentenresistenzen wurden in weniger als 5% der Proben (7 von 236 Proben, entsprechend 2,97 %) detektiert. Insgesamt ist die Rate der medikamentenresistenten Infektionen in Mwanza damit sehr gering. Die Prävalenz in den einzelnen Gruppen unterschied sich folgender Maßen: in der ersten Gruppe lag sie bei 0 %, in der zweiten Gruppe bei 1,16 % (1/86) und in der dritten Gruppe bei 4,55 % (6/132). Diskussion: Die TLE-Medikamentenresistenz bei Patienten mit frischer HIV Diagnose in Mwanza, Tansania, ist sehr gering. Auch in der Patientengruppe der > 25-jährigen mit länger zurück liegender HIV-Diagnose war die Resistenzlage gering, jedoch höher als bei den frisch diagnostizierten. Der zeitnahe Beginn einer ART nach Diagnosestellung erscheint somit sehr sinnvoll und dürfte die Resistenzlage weiter entspannen. Aufgrund der Aktualisierung der Therapieempfehlung und Einsatz eines Integrasehemmers, dürfte zukünftig die Resistenzrate weiter zurück gehen. Eine stichprobenartige, regelmäßige Überprüfung der Entwicklung der HIV-Medikamentenresistenz in Ländern, in welchen eine individuelle HIV-Medikamentenresistenztestung nicht zur Verfügung steht, ist allerdings weiterhin von hoher Relevanz.

Fields of Study & Subjects

HIV/AIDS drug development and treatment HIV/AIDS Research and Interventions HIV-related health complications and treatments

Publication details

Journal / source
Online Publication Service of Würzburg University (Würzburg University)
Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis