Bortezomib-induzierte Polyneuropathie bei Multiplem Myelom – Vergleich von Schweregraden und Bedeutung von SIRT3 sowie NfL

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Authors: Leon Yannick Flamm
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Abstract

In der vorliegenden Studie wurden 72 Patient:innen (21 Frauen, 51 Männer / medianes Alter: 67 Jahre; Spanne: 31 – 82 Jahre) mit Diagnose eines Multiplen Myeloms nach den aktuellen Kriterien der IMWG sowie einer geplanten, zum Studienzeitpunt durchgeführten oder abgeschlossenen Behandlung mit Bortezomib untersucht. Die Charakteristika einer BIPN wurden mittels Anamnese, Befundrecherche, QST, Hautbiopsie, kutaner Stimulationen der C-Fasern sowie elektrophysiologischer Untersuchung ermittelt. Der Fokus der Ergebnisanalyse lag auf Betrachtung der Unterschiede zwischen den Schweregraden 0 bis 4 einer BIPN nach der „Severity classification based on NCI CTCAE v.5.0“. Eine BIPN trat als häufige Nebenwirkung einer Behandlung mittels Bortezomib bei einer Prävalenz von 88 % innerhalb der Studienkohorte auf, wobei 52 % der von BIPN betroffenen Proband:innen eine Schmerzsymptomatik aufwiesen. Insgesamt waren die Schweregrade (1gesamt) (50 %) und (2gesamt) (33 %) am häufigsten vertreten. Die BIPN lag im Wesentlichen in einer distal betonten, längenabhängigen Ausprägung an den unteren Extremitäten vor. Konkret zeigten sich pathologische Veränderungen der Aα-, Aδ-, Aβ- und C-Fasern (Reflextestung, QST, kutane C-Faser-Stimulation) sowie der großen Nerven (N. suralis, N. tibialis, N. medianus) bei häufig axonalem und wesentlich seltener demyelinisierendem Schädigungsmuster (elektrophysiologische Untersuchung). Motorische Beeinträchtigungen durch Paresen traten in weniger Fällen als sensible Pathologien auf. Bei 91 % der Patient:innen mit abgeschlossener Behandlung mittels Bortezomib wurde eine BIPN, trotz größtenteils mehrmonatigem Zeitintervall nach Beendigung der Therapie, diagnostiziert. Demnach konnte auf keine ausgeprägte Reversibilität, sondern vielmehr auf das häufige Auftreten einer chronischen Form der BIPN geschlossen werden. Als Risikofaktoren für eine BIPN konnten ein fortgeschrittenes Alter, die kumulative Bortezomib-Dosis, Übergewicht / Adipositas sowie ein Diabetes Mellitus identifiziert werden. Die Betrachtung der Unterschiede zwischen den Schweregraden ging mit der Frage einher, welche neurologischen Veränderungen mit zunehmender BIPN als Grundlage von Alltagseinschränkungen einhergehen. Als relevante Faktoren traten eine Schmerzsymptomatik, Taubheitsgefühle bei zunehmend reduzierter, sensibler Wahrnehmung und vermindertem Vorkommen der kleinen Nervenfasern der Haut sowie motorische und propriozeptive Einschränkungen in Erscheinung. Des Weiteren zeigte sich ein zunehmender Befall aller großen Nerven bei Fokus auf die unteren Extremitäten. Das Schmerzempfinden der Schmerzpatient:innen änderte sich bei schwerer BIPN dahingehend, dass die kleinen Schmerzfasern eine abgeschwächte, verlangsamte Schmerzwahrnehmung gezielter Stimuli bei tendenziell erniedrigter IENFD zeigten. NfL hat sich innerhalb unserer Analysen als potenzieller Biomarker präsentiert, der eine wissenschaftlich relevante Grundlage bildet, um weitere Untersuchungen zu etablieren. Erhöhte NfL-Spiegel demonstrieren einen akuten axonalen Schaden bei BIPN. Es bedarf einer Langzeitstudie, um Aussagen über einen möglichen Vorhersagewert für eine potenzielle BIPN oder deren Ausmaß zu treffen. Für SIRT3 lässt sich anhand unserer Daten kein Rückschluss auf eine Bedeutung als Biomarker bei BIPN ziehen.

Fields of Study & Subjects

Cancer Treatment and Pharmacology Multiple Myeloma Research and Treatments Peripheral Neuropathies and Disorders

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis