Stress und Stressbewältigung im Ultramarathonlauf - Eine qualitative Untersuchung der Stressbelastungen und Stressbewältigungsstrategien im Spitzensport

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Authors: Jakobs, Christopher
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Abstract

Stress ist in der heutigen Gesellschaft ein allgegenwärtiger Begriff, hinter dem sich ein komplexes und in hohem Maße subjektives Konstrukt verbirgt. Die gesundheitlichen Folgen und Risiken von langanhaltenden Stresseinwirkungen sind zahlreich und in vielfältigen Formen bekannt. Die Stressforschung hat daher aktuell eine nach wie vor anhaltende hohe Relevanz. In der Stressbewältigung trägt u.a. die Sportwissenschaft einen für die Anwendungspraxis wichtigen Anteil bei. Die nachfolgende empirische Studie beschäftigt sich mit dem Thema Stress und Stressbewältigung im und durch den Ultramarathonsport. Der theoretische Teil der folgenden Arbeit stellt den Ultramarathon zunächst als Sportart mit den zahlreichen Subformen vor und skizziert dabei sowohl die Historie, die Organisationsform der Sportart und die Cha-rakteristiken der Ultralaufsportler_innen. Weiterhin werden ausführlich Studien zu physiologischen und psychologischen Auswirkungen des Ultramarathonlaufens vorgestellt und zusammengefasst. Ebenso werden zwei auf die Stressforschung relevante Gesundheitsmodelle, psychologische Stressmodelle, die Auswirkungen von Stress und die Stressbewältigung mit dem Schwerpunkt Stressbewältigung durch Sport und spezifisch durch den Laufsport vorgestellt. Die Beschreibung von zwei etablierten Formen der Lauftherapie schließend den theoretischen Teil der Arbeit ab. In der Empirie wurden gemäß der qualitativen Forschung zehn männliche und neun weibliche Spitzensportler_innen im Ultramarathon durch narrative Experteninterviews zu Stressbelastungen und Stressbewältigungsstrategien allgemein und im Kontext des Ult-ramarathonsports befragt. Die Interviews wurden im Anschluss transkribiert und mittels formaler Textanalyse analysiert sowie in Bezug auf Geschlechterunterschiede und Unterschiede im Erfahrungsniveau der Athleten_innen interpretiert. Insgesamt wurden 21 übergeordnete Kategorien aus den Informationen der Interviews gebildet. Aus diesen wurden 14 Unterkategorien dem Bereich der Stressempfindung zugeordnet, und 23 dem Bereich der Stressbewältigung. Die Ergebnisse in Bezug auf die Stressempfindung halten fest, dass Frauen vermehrt für externalen Druck, Männer dagegen für internalen Druck anfällig sind. Frauen haben im Vergleich zu Männern ebenfalls mehr Probleme mit Selbstzweifel und den negativen Einflüssen von Social Media. Männer hingegen haben vermehrt Probleme im Umgang mit Verletzungen. In Bezug auf die Lauferfahrung sind Laufveteran_innen anfälliger für inneren Druck und die Problematik des Zeitmanagements sowie für Stress in der Post-Wettkampfphase. Laufrookies äußern dagegen häufiger Sorgen in Bezug auf Social-Media-Einflüsse und Verletzungen. Betrachtet man die Stressbewältigungskategorien, sticht hervor, dass Männer den Kategorien Erfahrung sowie Zielreduktion bzw. Anpassung mehr Gewicht zusprechen. Weiterhin sehen ausschließlich männliche Befragte die Option des Laufabbruchs als eine Art der Stressbewältigung. Frauen hingegen messen der Kategorie Alleinsein sowie dazu passend die Möglichkeit, Raum zum Nachdenken und Reflektieren zu haben, mehr Bedeutung bei. Ebenfalls wurden die Kategorien positiver physischer Parameter von Frauen deutlich öfter benannt als von Männern. Im Vergleich der Lauferfahrungen wird deutlich, dass Veteranen die Kategorien Fokussierung auf Teilziele, mentale Strategien und akribische Planung mit einer höheren Relevanz bei der Stressbewältigung gewichten. Auffallend ist ebenso, dass positive physische Anpassungen ausschließlich von Veteran_innen genannt wurden. Rookies dagegen sprechen der Erfahrung, Unabhängigkeit und dem absoluten Tätigkeitsfokus eine höhere Relevanz zu. Insgesamt lassen sich zur Stressbewältigung durch den Ultramarathon zwei Bereiche benennen, die zum einen internal, zum anderen external wirken und in einer Wechselbeziehung zueinanderstehen. Internal bezeichnet physische und psychische Auswirkungen des Ultramarathons auf die Athlet_innen. Im externalen Bereich sind positive Beeinflussungen durch organisatorische Rahmenbedingungen, soziale Aspekte und das Naturerlebnis gegeben. Die Ausübung des Ultramarathonsports kann auf den ebenen der organisatorischen und wettkampfbezogenen Stressoren Stress per se verursachen und ist im Spitzensport deut-lich ausgeprägter als im Amateure Bereich. Das stressbewältigende Potenzial der Sportart besteht zum einen aus einer sehr guten physischen und psychischen Wettkampfvorbereitung und zum anderen aus zahlreichen mentalen Strategien, die in Stresssituationen widerholt zur Anwendung kommen und letztlich auch über den Sport hinaus in Alltagssituationen anwendbar sind. Letztlich lässt sich durch die Kombination aus positiven physischen Auswirkungen und vermehrter Stressbewältigungsstrategien auch ein positiver Effekt auf die Gesundheit beobachten, welcher potentiell für die Anwendung in spezifischen Lauftherapien genutzt werden könnte.

Fields of Study & Subjects

Sport Psychology and Performance Stress and Burnout Research Sports Performance and Training

Publication details

Journal / source
Publication Server of Kaiserslautern University of Technology (Kaiserslautern University of Technology)
Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis