Aporie der Nachträglichkeit und regressive Temporalität

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Authors: Gerhard Dahl
Cited by: 1
References: 21

Abstract

Untersucht wird die Aporie der Nachträglichkeit als Spannung zwischen progressiven und regressiven Zeitstrukturen. Ziel der Untersuchung ist die Hypothese, dass der regressive Zeitvektor der Nachträglichkeit ein heuristisches und hermeneutisches Modell zur Erschließung des nicht-verdrängten Unbewussten bieten kann und damit jenseits linearer Temporalität über das klassische Behandlungsmodell der Verdrängung hinausweist. Freuds Verdrängungsparadigma verhinderte die Erforschung einer regressiven Zeitbewegung der Nachträglichkeit, da Kausalität nicht rückläufig wirken kann. Die semantische Unschärfe des Verdrängungsbegriffs, der topische, dynamische und zeitliche Bedeutungen überlagert, führte zu einem historischen Kategorienfehler: Freud ordnete auch die regressive Zeitrichtung von Nachträglichkeit der Verdrängung zu und verstellte damit ihre hermeneutische Funktion. Der Autor diskutiert die Bedeutung des ursprünglich Janet zugeschriebenen Konzepts der Dissoziation, das Freud durch Verdrängung ersetzte, um den regressiven Vektor der Nachträglichkeit zu begründen und damit einen Zugang zum nicht-verdrängten Unbewussten zu ermöglichen.

Fields of Study & Subjects

Psychotherapy Techniques and Applications Psychoanalysis and Social Critique Memory History Trauma Identity

Publication details

Journal / source
Jahrbuch der Psychoanalyse
Publisher
Psychosozial-Verlag GmbH and Co. KG
Volume
67
Issue
1
Pages
75–99
Publication date
1 March 2026
Language
DE