Die Meuterei
Abstract
Der behandlungstechnische Beitrag illustriert, sozusagen als »Begehung des ödipalen Geschehens«, das gewinnbringende Arbeiten mit Judith Le Soldat’s Theorie. Der in der Phantasie begangene Raubmord wird hier als eine regelmäßige Übertragung auf den Analytiker betrachtet, die analysiert werden muss. Die Wiederholung der Tat führt beim Analysanden – wie am konkreten Beispiel dargestellt – zu mächtiger Rächerangst in der Übertragung, was neue Angstabwehren erklärt. Die Virulenz der Kastrationsangst wird aber nicht nur beim Analysanden spürbar, die Kastrationstat kann in der Gegenübertragung auch für den Analytiker zum heiklen Punkt werden, was beidseits zur Tendenz führt, sich distanzieren zu wollen. Um diese große »Erinnerungslücke« dem Durcharbeiten emotional zugänglich zu machen, kreist der Analytiker sie mit dem Analysanden in mehrjähriger Analyse so lange ein, bis sie umstellt ist. Die Verhinderung der Flucht ermöglicht die Analyse der Tat. Die unerfüllten ödipalen Wünsche sind eigentlich der Motor in der Analyse. Das Fallbeispiel unterstreicht die Bedeutung der in der Psyche meist verdrängten Kastrationstat für die psychoanalytische Theorie und Praxis und eröffnet einen neuen Blick auf Probleme, die zum Analysenende auftauchen.
Fields of Study & Subjects
Psychoanalysis and Social Critique
Psychotherapy Techniques and Applications
Memory
History
Trauma
Identity
Publication details
- Journal / source
- Jahrbuch der Psychoanalyse
- Publisher
- Psychosozial-Verlag GmbH and Co. KG
- Volume
- 67
- Issue
- 2
- Pages
- 213–240
- Publication date
- 1 August 2026
- Language
- DE