Identität und Gemeinsinn

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Authors: Susanne Komfort-Hein, Johannes von Moltke
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Abstract

Abstract Der Beitrag beleuchtet die Herausforderung des Gemeinsinns durch Identitätspolitik und unterzieht die vermeintliche Opposition von Universalismus und Partikularismus der kritischen Analyse. Mit Bezugnahme auf Diskurse zu woke und cancel culture auf beiden Seiten des Atlantiks untersuchen die Autor:innen identitätspolitische Mobilisierungen im Kontext der andauernden culture wars , in denen Identität und Gemeinsinn als angeblich nicht zu vermittelnde Antipoden aufeinander treffen. Entgegen der polemischen Reduktion von Identitätspolitiken auf Identitarismus beruft sich die Argumentation auf Hannah Arendt, um gegen die Verengung auf das je Eigene die Dimension des intersubjektiven Urteilens und Handelns als emanzipatorischen Kern gelingender Identitätspolitik zu bestimmen. Anstatt deren angeblichen Solipsismus gegen die behauptete Allgemeingültigkeit des Gemeinsinns auszuspielen, betrachten die Autor:innen diesen als unauflösbare Kippfigur, die zwischen demokratischem Partizipationsversprechen und kulturkritischem Ressentiment changiert. Entsprechend betont der Beitrag die dialektische Rolle des Gemeinsinns von Paine bis zum derzeitigen autoritären Populismus und fordert das Zusammendenken von Identität und Gemeinsinn auf der Grundlage reflexiven, ästhetisch-politischen Urteilens ein.

Fields of Study & Subjects

Hannah Arendt's Political Philosophy Political Philosophy and Ethics Cultural Identity and Representation

Publication details

Journal / source
Sprache und Literatur
Volume
54
Issue
2
Pages
324–351
Publication date
9 January 2026