Waldverjüngung nach waldbaulichem Eingriff: erste Entwicklungen in hochmontanen Gebirgsnadelwäldern
Abstract
Mit dem fortschreitenden Klimawandel gewinnt die Naturverjüngung im adaptiven Waldbau weiter an Bedeutung, da sie die Resilienz gegenüber biotischen und abiotischen Störungen stärkt. Dieses Potenzial ist jedoch eingeschränkt, wenn klimafitte Baumarten fehlen oder wenn biologische Hemmnisse die Etablierung neuer Pflanzen erschweren. Daher stellt sich insbesondere in Gebirgswäldern mit schwierigen Wuchsbedingungen und instabilen, lichtarmen Strukturen die Frage, inwiefern gezielte waldbauliche Massnahmen die Naturverjüngung effektiv fördern können. Das Projekt «Gebirgswaldverjüngung» startete 2020 in zehn vorratsreichen, hochmontanen Fichten- und Tannen-Fichten-Beständen. Dort wurde zunächst die Vorverjüngung aufgenommen, anschliessend wurden Verjüngungshiebe unterschiedlicher Eingriffsstärke durchgeführt, um die Naturverjüngung gezielt zu fördern. Die vorliegende Publikation stellt das Versuchsdesign und die angewandten Methoden vor und verfolgt zwei Hauptziele: (1) die Analyse der wichtigsten Einflussgrössen auf die Vorverjüngung und (2) den Vergleich der Stammzahlen vor und kurz nach den Verjüngungshieben. In den untersuchten Beständen wurde die Vorverjüngung vor allem durch Bestandesstruktur, Lichtverhältnisse und Mikrostandort beeinflusst – Faktoren, die waldbaulich gut steuerbar sind. Das Verjüngungspotenzial lag überwiegend in den kleinsten Grössenklassen, die vor allem aus Tanne und Fichte bestanden. Insbesondere bei der Tanne war der Übergang in höhere Grössenklassen (>10 cm) limitiert. In den höheren Grössenklassen dominierten Fichte und Vogelbeere, wobei die Fichte aufgrund ihrer durchgehend hohen Anteile in allen Grössenklassen auch künftig eine Schlüsselrolle in der Bestandesentwicklung einnehmen dürfte. In der zweiten Inventur kurz nach den Hieben nahm die Gesamtstammzahl der Verjüngung ab, was möglicherweise auf geringen Sameneintrag bzw. geringe Keimung, ein Einwachsen in höhere Grössenklassen in unbehandelten Bestandesteilen sowie auf Holzereischäden in den behandelten Teilen zurückzuführen ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch unklar, welche Baumarten sich langfristig unter den veränderten Wuchsbedingungen etablieren werden. Zudem muss im weiteren Projektverlauf analysiert werden, welche Rolle Schalenwild und andere Schäden für den Etablierungserfolg der Verjüngung spielen.
Fields of Study & Subjects
Agroforestry and silvopastoral systems
Tree Root and Stability Studies
Seedling growth and survival studies
Publication details
- Journal / source
- Schweizerische Zeitschrift fur Forstwesen
- Publisher
- Swiss Forestry Society
- Volume
- 177
- Issue
- 2
- Pages
- 92–92
- Publication date
- 1 March 2026
- Language
- EN