Föderale Staatsbildung und gesellschaftliche Integration in der Republik der Drei Bünde. Neue Forschungen zur Geschichte und Erinnerungskultur im europäischen Kontext (16.–21. Jahrhundert)

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Abstract

institutionellen Mustern für die Regulierung und Steuerung von Macht-und Kooperationsprozessen.Die Gründer der Republik der Drei Bünde verfügten über das organisatorische, institutionelle, rechtliche, kulturelle und militärische Wissen, das für den Aufbau eines Staates erforderlich war, und sie waren bereit, dieses gemeinsam weiterzuentwickeln.Das ist aus der Sicht der neueren historischen Forschung über Organisation, Management, Leitung und Verwaltung für den Erfolg eines solchen politischen Unternehmens ganz zentral.Die Führung lag in den ersten Jahrzehnten in den Händen eines ständisch und regional gemischten Machtkartells, das sich -nach dem raschen Rückzug beziehungsweise der Flucht des Bischofs von Chur, das heisst des obersten Lehensherrn des Gotteshausbundes -aus Notablen zusammensetzte, die in der Stadt Chur oder in den weltlichen und geistlichen Grundherrschaften, Gerichtsgemeinden, Nachbarschaften und Korporationen gut verankert waren.15 Es war das ein Kreis von kleinadeligen, (ehemaligen) dienstadeligen, bürgerlichen und geistlichen Herren, Händlern, Transport-, Söldner-, Zoll-und Bergwerksunternehmern, Gastwirten, Gewerbetreibenden, Zunftvorsitzenden, vermögenden Bauern und Pfarrern.Diese waren mobil, interlokal vernetzt und aufgrund ihres Vermögens abkömmlich genug, um politische, zivile und militärische Führungsfunktionen nicht nur in ihren Herkunftsgebieten, sondern auch auf der staatlichen Ebene ausüben zu können.16 Dazu gehörten auch bürgerliche Notare sowie Juristen aus Südbünden mit seiner italienischen Rechtskultur, die sich mit öffentlichen Satzungen ebenso gut auskannten wie mit der Sicherung von Eigentumstiteln, der vertraglichen Abwicklung von Immobilien-und Handelsgeschäften sowie der Führung von Privatprozessen.Diese Kreise sorgten dafür, dass die Staatsbildung in Verbindung mit Strategien der Kommunalisierung oder des Kommunalismus, 17 Konfessionalisierung, 18 Militarisierung, Sicherung des privaten, genossenschaftlichen und korporativen 15 Vgl.dazu und zum Folgenden Head (wie Anm.10); Paul Eugen Grimm, Die Anfänge der Bündner Aristokratie im 15. und 16.Jahrhundert, Zürich 1981; Jon Mathieu, Die ländliche Gesellschaft, in: Handbuch der Bündner Geschichte, Bd. 2: Frühe Neuzeit, hg.vom Verein für Bündner Kulturforschung, Chur 2005, S. 11-55, hier S. 46-49; Max Hilfiker, Handwerk und Gewerbe, Verkehr und Handel, in: ebd., S. 55-83; Prisca Roth, Korporativ denken, genossenschaftlich organisieren, feudal handeln.Die Gemeinden und ihre Praktiken im Bergell des 14.-16.Jahrhunderts, Zürich 2018.16 Eindrückliche zeitgenössische Schilderungen und Einschätzungen von Personen und Familien dieser Kreise in Chur und in den Tälern und Dörfern Graubündens finden sich in Ulrich Campells Beschreibung der Drei Bünde von 1573.Ulrich Campell, Das alpine Rätien.Topographi-

Fields of Study & Subjects

Historical Influence and Diplomacy Central European and Russian historical studies Historical Art and Culture Studies

Publication details

Journal / source
Chronos Verlag eBooks
Publication date
6 January 2026
Document type
Book