Migrationsproblematik und westliche Dominanz

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Authors: R. Macovei
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Abstract

Die Diskrepanz zwischen einer sich selbst als homogen charakterisierenden Gesellschaft und einer zum Außenseitertum verurteilten Gruppe führt zu einer der fundamentalsten Formen der sozialen Differenzierung.Wenn eine minoritäre Kultur ihren Anspruch auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben innerhalb einer Mehrheitssphäre reklamiert, ist es durchaus möglich, dass das als zentral agierende System von Normen und Ordnungsvorstellungen seine Dominanz gegenüber den peripheren Gruppen manifestiert.Die Legitimierung eines kollektiven Identitätsbewusstseins wird vor diesem Hintergrund problematisch, und derartige soziale und geschichtliche Krisen werden auch im Bereich der Literatur widergespiegelt.Ein Paradebeispiel dafür stellt Jenny Erpenbecks Roman Gehen, ging, gegangen (2015) dar, der diese Dynamik durch die Erweiterung der Perspektive auf das Phänomen des Westsplaining veranschaulicht.In diesem Sinne kann eine Analogie zwischen der von der Auflösung der DDR verursachten Spaltung von Weltanschauungen und der im Text thematisierten Flüchtlingsproblematik hergestellt werden.Fragmente aus der Vergangenheit des Protagonisten, der mitunter den westdeutschen Denktraditionen unterworfen wurde, lassen sich immer wieder mit dem Status der afrikanischen Geflüchteten, mit denen er in Kontakt tritt, assoziieren.Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht darin, die Zusammenhänge zwischen diesen unterschiedlichen, doch verbundenen Umständen, aus denen sich eine Hegemonie der Lebensansichten herausbildet, am Text herauszuarbeiten.Die Frage nach den Bewältigungsmechanismen in Zeiten des Umbruchs wird von Jenny Erpenbeck paradigmatisch fiktionalisiert, was den Begriff des Westsplaining erweitert.

Fields of Study & Subjects

German Literature and Culture Studies German legal social and political studies German Colonialism and Identity Studies

Publication details

Journal / source
Schnittstelle Germanistik
Volume
5
Issue
2
Pages
125–143
Publication date
1 January 2026