Eastsplanining – Die russische Dominanz und die Stellung der Ukrainistik in der deutschen Slawistik
Abstract
In der deutschen Slawistik gibt es Lücken, die über Jahrzehnte kaum auffielen und kein Anlass für kritische Betrachtungen waren: Die fast völlige Absenz zweier ostslawischer Sprachen (Ukrainisch und Belarussisch) und die Dominanz einer dritten, der russischen.Mit einem Stipendium des Berliner Pilecki-Instituts habe ich unter dem Arbeitstitel Die Slawistik dekolonialisieren?am Beispiel der Ukrainistik dazu geforscht, welche politischen, historischen und ökonomischen Gründe es für diese Dominanz des Russischen gibt und warum es bis heute so schwer ist, diese zu überwinden.Dazu wurden unter anderem Slawisten an deutschen Hochschulen, Übersetzer ukrainischer Literatur sowie zwei Verlagslektorinnen interviewt, Vorlesungsverzeichnisse ausgewertet und aufgezeigt, wo in den letzten Jahren universitäre Umdenkprozesse begonnen haben.2. Terra incognita?-Die Ukraine aus deutscher Sicht Spätestens mit dem russischen Großangriff auf die Ukraine, der am 24.Februar 2022 begann, hat man in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen, dass es ein Land namens Ukraine gibt.Das Land, seit 1991 ein unabhängiger Staat und zuvor eine Unionsrepublik innerhalb der Sowjetunion, ist nach Russland der größte Flächenstaat Europas und hatte bis Kriegsbeginn (Stand 2020) gut 44 Millionen Einwohner ( [15.06.2025]).Heute leben immer noch knapp 39 Millionen Menschen im Land ( [15.06.2025]).Es ist also, um es trivial zu sagen, ein sehr großes Land.Um so erstaunlicher mag es auf den ersten Blick erscheinen, dass die Ukraine in Deutschland über Jahrzehnte quasi ‚Terra incognita' war.Die Gründe dafür sind vielschichtig.In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ukraine, wenn überhaupt, vor allem als Teil der Sowjetunion wahrgenommen, zu der sie politisch als Unionsrepublik gehörte -zu einem Land, das man im Westen trotz seiner ver-
Fields of Study & Subjects
Ukrainian Cultural and Linguistic Studies
Comparative and World Literature
Cultural Studies and Colonialism
Publication details
- Journal / source
- Schnittstelle Germanistik
- Volume
- 5
- Issue
- 2
- Pages
- 183–203
- Publication date
- 1 January 2026