Reaktionskinetik von Recyclingmaterial als Bindemittelersatz in Zement

Read full text
Authors: Tobias Münzinger
Cited by: 0

Abstract

Zement ist ein zentraler Bestandteil von Beton und weltweit einer der meistverwendeten Baustoffe. Zement stellt jedoch eine bedeutende Quelle von \ch{CO2}-Emissionen dar. Gleichzeitig fallen im Bau- und Abbruchsektor große Mengen an Abfällen an, deren Deponierung zunehmend als nicht nachhaltig gilt. Vor diesem Hintergrund untersucht diese Arbeit die Eignung von drei industriellen Recyclingmaterialien (RM1, RM2 und RM3) als teilweisen Ersatz für Portlandzement (CEM) und vergleicht ihre Leistungsfähigkeit mit etablierten Zementersatzstoffen wie Metakaolin und Kalksteinmehl sowie mit einem inerten Ersatzstoff wie Quarzsand. Die Reaktionskinetik der Recyclingmaterialien wurde durch kalorimetrische und rheologische Untersuchungen analysiert, während ihr Einfluss auf die Festigkeitsentwicklung anhand von Druckfestigkeitsprüfungen an Mörtelproben bewertet wurde. Ergänzend wurden Ausbreitmaß, Erstarrungsbeginn, Trocknungsschwinden sowie die Effekte unterschiedlicher Lagerungsbedingungen untersucht.Die kalorimetrische Untersuchung der reinen Recyclingmaterialien zeigt deutliche Unterschiede in deren Reaktivität: RM1 und RM2 setzen nur geringe Wärmemengen frei und verhalten sich weitgehend inert, während RM3 eine frühe Reaktivität und eine deutlich höhere Wärmefreisetzung aufweist. Diese frühe Reaktivität von RM3 im Kontakt mit Wasser wird durch SAOS-Messungen bestätigt, bei denen der Speichermodul $G{'}(t)$ früh und steil ansteigt, was auf die schnelle Ausbildung eines flokkulierten Netzwerks hinweist, während RM1 und RM2 nur geringe Änderungen zeigen und überwiegend inert bleiben. In Zementmischungen bewirkt RM3 eine Beschleunigung der anfänglichen Hydratationsreaktionen, führt jedoch gleichzeitig zu einer Verzögerung der Beschleunigungsphase der Zementhydratation. Im Gegensatz dazu verlangsamen RM1 und RM2 die Beschleunigungsphase der Zementhydratation nur in geringem Maße und zeigen insgesamt weniger ausgeprägte Effekte. Der Effekt von RM1 und RM2 auf die Zementhydratation ist mit dem Einfluss von Kalksteinmehl und Metakaolin vergleichbar.Mechanisch hängt die Festigkeitsentwicklung der CEM:RM-Mischungen stark vom Substitutionsgrad und den Lagerungsbedingungen ab. Bei einem hohen Ersatzstoffanteil von 50:50 sind die Druckfestigkeiten deutlich geringer, sodass die Materialien für Anwendungen mit niedriger Traglast geeignet sind. Eine Reduktion des Recyclingmaterialanteils auf 30 \% führt zu einer deutlichen Festigkeitssteigerung, wobei RM3 unter optimierten Bedingungen hohe Druckfestigkeiten erreicht, die mit denen von Metakaolin vergleichbar sind.Insgesamt zeigt die Arbeit, dass der teilweise Ersatz von Zement durch Recyclingmaterialien nicht nur die \ch{CO2}-Emissionen verringert und Primärressourcen schont, sondern auch die Entwicklung nachhaltiger Betonanwendungen ermöglicht. Besonders RM3 weist nach geeigneter Nachbehandlung ein großes Potenzial für Anwendungen mit höheren mechanischen Anforderungen auf.

Fields of Study & Subjects

Concrete and Cement Materials Research Recycled Aggregate Concrete Performance Materials Engineering and Processing

Publication details

Journal / source
reposiTUm (TU Wien)
Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis