Tactical Urbanism in El Carmen de Viboral - Partizipative Transformation öffentlicher Räume einer kolumbianischen Kleinstadt
Abstract
Die hegemonial etablierten modernistischen Planungsparadigmen des 20. Jh. sind nicht mehr kompatibel mit den Herausforderungen heutiger Siedlungsformen. Die Folgen von Ressourcenausbeutung an Natur und Mensch äußern sich mittlerweile nicht nur in den Ländern des globalen Südens, sondern auch in Europa. In Kolumbien zeigen sich die gesellschaftlichen Konflikte um Grundbedürfnisse für ein würdevolles und sicheres Zusammenleben täglich und besonders im öffentlichen Raum. Tactical Urbanism dient als Sammelbegriff für alternative Ansätze der Gestaltung dieser Räume. Dort, wo Top-Down-Ansätze bei der Umsetzung planerischer Ziele scheitern, ermöglichen partizipative Transformationsprozesse Zugänge zur Dokumentation, Kommunikation und Bewältigung der Herausforderungen für die Bewohner*innen dieser Räume. Die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Auseinandersetzung mit den komplexen Verhältnissen Kolumbiens erweitern den Diskurs in Europa und Österreich und leisten einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung negativer Entwicklungen im europäischen bzw. österreichischen Kontext. Diese Arbeit ordnet die Hintergründe für die aktuellen Herausforderungen Kolumbiens ein und zeigt auf, wie Tactical Urbanism in diesem Kontext eine hohe Effektivität entfalten kann. Durch die Arbeit engagierter lokaler Akteure in Architektur, Wissenschaft und Zivilgesellschaft wird deutlich, welche Handlungsprinzipien und Schlüsselelemente entscheidend für die Transformation öffentlicher Räume in kolumbianischen Kleinstädten sind. Darauf aufbauend werden diese Erkenntnisse konkret in El Carmen de Viboral, einer Gemeinde im Südosten Antioquias, angewendet. Mithilfe partizipativer Methoden wurden die Bewohner*innen der Gemeinde aktiviert und mehrfach direkt in die Gestaltung ihres öffentlichen Raums eingebunden. Fünf Monate kooperatives, experimentelles Arbeiten vor Ort im Rahmen des Forschungsaufenthalts führten zur Umsetzung mehrerer partizipativer Entwurfsmethoden und zum Konzept für die Gestaltung des Planungsgebiets um die Calle 37 in El Carmen de Viboral. Daraus entstehen neun einzelne Interventionen, die im Kontext des städtebaulichen Entwurfs für die Stärkung der Identität, eine Verbesserung der Infrastruktur und eine nachhaltige Integration natürlicher Grün- und Blauräume sorgen. Die Gemeinde erhält aufgrund ihrer intensiven Zusammenarbeit einen starken Impuls für ihre zukünftige Entwicklung, die sich nicht nur durch abstrakte Visionen und Konzepte auszeichnet, sondern auch direkte praktische Veränderungen vorlebt, welche die Sensibilität der Gemeinde für ihren öffentlichen Raum schärfen. Damit steigt das Nachnutzungspotenzial für die jeweiligen Interventionen nach ihrer Umsetzung deutlich. Der Prozess der Transformation des öffentlichen Raums in El Carmen de Viboral wird damit zukünftig bessere eigenständige Gestaltung ermöglichen.
Fields of Study & Subjects
Urban Planning and Governance
Urban Development and Cultural Heritage
Urban and sociocultural dynamics
Publication details
- Journal / source
- reposiTUm (TU Wien)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis