Zusammenhang zwischen Veränderungen der Rückenfettdicke und der Fruchtbarkeit von Holstein-Kühen

Read full text
Authors: Elisa Mayerl
Cited by: 0

Abstract

Die vorliegende, retrospektive Untersuchung basiert auf Datensätzen der Jahre 1998—2003 von 282 Holstein–Kühen aus fünf konventionellen Milchviehbetrieben im Saarland. Es war das Ziel, den Einfluss von Veränderungen der Rückenfettdicke auf die Parameter Rastzeit, Güstzeit und dem Trächtigkeitsstatus zu quantifizieren. Die Rückenfettdicke wurde dabei mittels Ultrasonographie bis zur intramuskulären Faszie an vier definierten Zeitpunkten gemessen. Durch diese erweiterte Methode der Ultraschallanwendung, welche die Rückenmuskulatur miteinbezog, wurde der Aspekt des Proteinmetabolismus in der Analyse integriert. Die Daten stammen aus der Originalstudie von Pothmann-Reichl (2009). Die statistischen Analysen wurden mit logistischen Regressionen durchgeführt, wobei die Betriebe als Zufallseffekt fungierten und die p-Werte aufgrund der Messwiederholungen nach der Methode Benjamini-Hochberg korrigiert wurden. Im Hinblick auf die Rastzeit zeigt sich ein signifikanter Effekt der Rückenfettdicke-Veränderung in der späten Trächtigkeit: Dabei führt eine Zunahme der Rückenfettdicke um 1 mm zwischen 42 Tagen a. p. und dem Tag der Abkalbung zu einer Verlängerung der Rastzeit um durchschnittlich 1,02 Tage. Postpartal konnten wir hingegen lediglich weniger ausgeprägte statistische Trends erkennen. Der Einfluss der Rückenfettdickenveränderung auf die Güstzeit blieb gering, ebenso wie der Zusammenhang mit dem Trächtigkeitsstatus, der nur im begrenzten Umfang durch Rückenfettdickeveränderungen beeinflusst wurde. Insgesamt deuten die vorliegenden Daten darauf hin, dass Veränderungen der Rückenfettdicke nur einen geringen Anteil an der Variabilität der Fruchtbarkeitsparameter erklären. Diese Ergebnisse unterstreichen die Einschätzung, dass die Rückenfettdicke zwar als ergänzender Parameter zur Bewertung der Reproduktionsleistung herangezogen werden kann, ihre Aussagekraft jedoch begrenzt ist, wenn sie isoliert betrachtet wird. Insbesondere betriebsindividuelle Managemententscheidungen, wie die Festlegung der freiwilligen Wartezeit, der Zeitpunkt der Besamung und die Qualität der Brunsterkennung spielen eine entscheidende Rolle für die Reproduktionsleistung. Für die Praxis resultiert daraus die Notwendigkeit einer kombinierten Betrachtung von Körperkondition, Energiehaushalt und Managementmaßnahmen, um die Reproduktionsleistung von Milchkühen nachhaltig zu optimieren.

Fields of Study & Subjects

Reproductive Physiology in Livestock Genetic and phenotypic traits in livestock Animal health and immunology

Publication details

Journal / source
Phaidra - Repository of the University of Veterinary Medicine, Vienna
Publication date
9 February 2026
Language
DE