Umgang österreichischer SchweinepraktikerInnen bei Diagnostik, Therapie und Prophylaxe im Verdachtsfall von Chlamydien-induzierten Fruchtbarkeitsproblemen bei Sauen
Abstract
Chlamydia spp. sind gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterien mit einem breiten Wirtsspektrum und beschäftigen weltweit die Human- und die Veterinärmedizin epidemiologisch. Chlamydien haben ein breites Wirtsspektrum und können vielfältige Krankheitssymptome hervorrufen. Obwohl übereinstimmend angenommen wird, dass Chlamydien-induzierten Fruchtbarkeitsproblemen bei der Sau verursachen, sind zahlreiche Fragen ungeklärt. Ziel dieser Arbeit war es deshalb, Fruchtbarkeitsprobleme bei Sauen und deren mögliche Bedeutung als Infertilitätsursache zu ermitteln. Obwohl Fruchtbarkeitsproblemen in Schweinebeständen regelmäßig auftreten, gibt es in der Literatur kaum Informationen über diagnostische und prophylaktische, therapeutische Maßnahmen. Ziel dieser Studie war es, mit Hilfe des Umfrageprogramms Lime Survey, 42 SchweinepraktikerInnen anonym zu ihren diesbezüglichen Ansichten und Vorgehensweisen zu befragen. Generell scheint die Bedeutung von Chlamyien nicht hoch zu sein, in Verbindung mit Fruchtbarkeitsproblemen nehmen Chlamydien jedoch einen höheren Stellenwert ein, jedoch ein Viertel der Befragten stuften Chlamydien in diesem Zusammenhang als eher bedeutungslos ein. Von den PraktikerInnen wird Chlamydiose verbunden mit Umrauschen (78,57 %), gefolgt von Aborten (52,38 %), Vaginalausfluss (61,90 %) sowie das Auftreten lebensschwacher oder totgeborener Ferkel (16,67 %) oder Mumien (7,14 %). Mehr als die Hälfte (69,05 %) der Befragten führen zur Diagnosestellung Antikörperuntersuchungen mittels Komplementbindungsreaktion (KBR) durch, zudem werden PCR-Tests aus Vaginaltupfern (40,48 %), aus Abortmaterial (64,29 %) und aus dem Genitaltrakt (z.B. postmortal bei Schlachthofscreening) (9,52 %). Die Behandlung umfasst vor allem Tetrazykline (95,24 %), vereinzelt werden auch Makrolide (2,38%) oder andere Antibiotikagruppen (7,14%) eingesetzt – Prinzipiell wird bei Verdacht immer antibiotisch behandelt. Der Behandlungszeitraum variiert zwischen 5 Tage und 10 Tagen (23,81 %), und von 11 bis 15 Tage (47,62 %), sowie von 16 bis 21 Tage (11,90 %), und mehr als 21 Tage (9,52 %). Das Wissen über vermehrt vorkommende Tetrazyklin resistente Chlamydienstämme ist kaum verbreitet, da über die Mehrheit der TierärztInnen eine Fruchtbarkeitsprobleme durch Chlamydien mit Tetrazyklin therapieren würde. Es bestehen Unsicherheiten im Umgang mit Fruchtbarkeitsproblemen, wenn eine Chlamydiose im Raum steht. Das Abwägen zwischen wirtschaftlichen Interessen, der Umsetzbarkeit und dem Tierwohl spielt eine wichtige Rolle. Zusammenfassend zeigen die Umfragedaten, dass Chlamydieninfektionen in Schweinebetrieben eine gewisse Bedeutung haben, insbesondere im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsproblemen. Die derzeitigen diagnostischen Verfahren werden von vielen Befragten als unzureichend empfunden, und es besteht ein Bedarf nach verbesserten Nachweisverfahren. Die therapeutischen Maßnahmen umfassen den Einsatz von Tetrazyklinen und prophylaktische Maßnahmen zur Hygieneverbesserung, Schadnagerbekämpfung und Bestandsbehandlungen mit Tetrazyklinen. Die Befragten wünschen sich auch weitere Forschung zur Verbesserung der Diagnose und zur Vorbeugung von Chlamydien-bedingten Fruchtbarkeitserkrankungen in Schweinebetrieben.
Fields of Study & Subjects
Reproductive Physiology in Livestock
Microbial infections and disease research
Reproductive tract infections research
Publication details
- Journal / source
- Phaidra - Repository of the University of Veterinary Medicine, Vienna
- Publication date
- 6 February 2026
- Language
- DE