Vorkommen von Treponema spp. in Dermatitis digitalis–assoziierten Klauenhornläsionen versus eitrigen, tiefen Klaueninfektionen beim Rind
Abstract
Rinder können von nicht-infektiösen und von infektiösen Klauenerkrankungen betroffen sein, zu letzteren zählt Dermatitis digitalis (DD) und die Zwischenklauenphlegmone. Bei DD wurden anaerobe Spirochäten der Gattung Treponema als wesentliche Verursacher der Erkrankung identifiziert. Ausgehend von Sohlengeschwüren und Weiße-Linie Abszessen, entwickeln sich beim Rind häufig tiefe Infektionen mit Beteiligung von Sehnen, Knochen und Gelenken. Bei diesen tiefen Klaueninfektionen spielen Fusobacterium necrophorum, Dichelobacter nodosus und weitere Eitererreger eine aktive Rolle. Bislang ist unklar, inwieweit auch Treponemen bei der Pathogenese von eitrigen Klauenerkrankungen involviert sind. Umgekehrt gibt es dato keine begründete Erklärung dafür, weshalb DD-assoziierte Klauenhornläsionen häufig über viele Monate bis hin zu einem Jahr bestehen, ohne dass es zu einer Infektion tiefer Stützstrukturen der Klaue, wie dem Klauenbein, der tiefen Beugesehne oder dem Klauengelenk durch Eiterbakterien kommt. Ziel dieser Studie war es daher, Proben von eitrigen, tiefen Klaueninfektionen versus an DD- assoziierten Klauenhornläsionen auf die Anwesenheit von Treponemen-DNS zu untersuchen, um Hinweise zu erhalten, ob Infektionen durch Treponemen und Eitererreger nebeneinander persistieren können, oder einander eher ausschließen. Von 11 Rindern wurden 18 Proben von tiefen, eitrigen Klaueninfektionen entnommen. Von 15 Rindern wurden 18 Proben von DD-assoziierten Klauenhornläsionen gesammelt. Aus den insgesamt 36 Proben wurde DNS extrahiert, quantifiziert und mittels Beta-Aktin-PCR auf PCR- kompatible Qualität geprüft. Im Anschluss wurden die DNS-Extrakte mit einer „Universal- Spirochäten-PCR“ auf Anwesenheit von Treponemen-DNS getestet. Amplifikationsprodukte korrekter Größe wurden gereinigt und sequenziert. Erhaltene Sequenzen wurden mittels eines BLAST-Programmes mit Sequenzen aus der Gen-Datenbank verglichen. Bei 8 von 15 Rindern mit DD-assoziierten Klauenhornläsionen wurden eindeutig Treponemen- Sequenzen nachgewiesen, wobei Treponema pedis am häufigsten vertreten war. Daneben wurde in sechs Fällen ein felines orales Bakterium identifiziert, welches häufig in Assoziation mit DD gefunden wird. Hingegen war bei tiefen, eitrigen Klaueninfektionen keine Treponemen- DNS nachweisbar. In den Proben von tiefen, eitrigen Klaueninfektionen wurde jedoch häufig ein Pathogen nachgewiesen, welches vermutlich dem oralen Bakterium Parvimonas micra entspricht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Treponemen bei tiefen, eitrigen Klaueninfektionen, wenn überhaupt, nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Möglicherweise kann dieser Umstand mit dem Phänomen der „bakteriellen Interferenz“ erklärt werden, wobei man davon ausgeht, dass eine Gruppe von Bakterien eine andere Gruppe durch verschiedene Mechanismen verdrängt. Ein möglicher kausaler Beitrag von Parvimonas micra an der Entstehung und dem Fortschreiten eitriger Klauendefekten sollte wissenschaftlich näher untersucht werden.
Fields of Study & Subjects
Veterinary medicine and infectious diseases
Microbial infections and disease research
Nail Diseases and Treatments
Publication details
- Journal / source
- Phaidra - Repository of the University of Veterinary Medicine, Vienna
- Publication date
- 14 January 2026
- Language
- DE