Die Laufkäfer (Col. Carabidae) großer Querungshilfen in Schleswig-Holstein
Abstract
Im Rahmen eines mehrjährigen Monitorings wurden die Laufkäferzönosen von fünf Grünbrücken und einer Faunaunterführung in Schleswig-Holstein untersucht. Erfasst wurden Arten- und Aktivitätsdichten mit Hilfe von Bodenfallen in Referenzlebensräumen und auf den Querungshilfen. Insgesamt konnten 111 Arten mit 23.331 Individuen nachgewiesen werden, darunter 15 Arten der Roten Liste Schleswig-Holsteins. Die Artenvielfalt und Individuenzahl schwankten stark zwischen den Standorten und Untersuchungszeiträumen. Während an der Faunaunterführung Stolpe während der zweiten Untersuchungsperiode die höchste Artenvielfalt (68 Arten) nachgewiesen wurde, erreichte die Grünbrücke Clashorn die höchste Individuenzahl in der zweiten Untersuchungsperiode (4.118 Individuen). Die gefundenen Arten deckten dreizehn definierte ökologische Gilden ab. Waldarten standen im Fokus, da sie als Funktionszeiger für die Wiedervernetzung zerschnittener Waldlebensräume dienen. Auf den eingewachsenen Grünbrücken (z. B. Kiebitzholm, Gudow) wurden stenotope, flugunfähige Waldarten regelmäßig nachgewiesen, während die Nutzung der jungen Querungshilfen wie Brokenlande oder Clashorn zunächst gering blieb bzw. immer noch ist. Die Ergebnisse bestätigen, dass Grünbrücken mit zunehmender Vegetationsentwicklung an Funktionalität für Waldarten gewinnen. Auch Offenlandarten, insbesondere xerothermophile Spezialisten, konnten nachgewiesen werden. Allerdings zeigte sich, dass die Funktionalität für Offenlandarten mit der fortschreitenden Sukzession abnehmen kann, sofern kein Vegetationsmanagement erfolgt. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Grünbrücken einen wichtigen Beitrag zur Wiedervernetzung leisten können. Ihre Funktionalität hängt jedoch stark von Alter, Vegetationszustand, Strukturvielfalt und angrenzenden Donorpopulationen ab. Eine volle Funktionsfähigkeit für stenotope Waldarten scheinen Grünbrücken erst zu erreichen, wenn ein geschlossenes Kronendach entstanden ist. Beständige Populationen stenotoper Waldarten konnten bislang auf keiner Querungshilfe nachgewiesen werden; dennoch erfüllen die meisten Brücken zumindest zeitweise eine ausreichende Verbundfunktion.
Fields of Study & Subjects
Entomological Studies and Ecology
Forest Insect Ecology and Management
Beetle Biology and Toxicology Studies
Publication details
- Journal / source
- Faunistisch-ökologische Mitteilungen. Supplement/Supplement zu Faunistisch-ökologische Mitteilungen
- Publisher
- Universitätsverlag Kiel | Kiel University Publishing
- Pages
- 151–176
- Publication date
- 11 September 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book chapter