Erinnerungslandschaften der späten DDR: Ästhetische Auslotungen der Zeit im Raum des Sozialismus an Beispielen aus der bildenden Kunst, dem Film und der Literatur
Abstract
Der Beitrag untersucht künstlerische Auseinandersetzungen mit sozialistischen Raum- und Zeitvorstellungen in der DDR seit den späten 1970er Jahren. Diese werden im Sinne Reinhart Kosellecks als ästhetische „Zeitschichten“ verstanden. Dabei wird gefragt, wie bildende Kunst, Film und Literatur die von Fortschrittsdenken und historischem Materialismus geprägten Zeit-Raum-Konzepte des Sozialismus reflektieren, transformieren oder unterlaufen. Anhand von Gerhard Altenbourgs Werken, Kurt Tetzlaffs Dokumentarfilm „Erinnerung an eine Landschaft – für Manuela“ (1983) und Angela Krauß’ Erzählung „Frühschicht“ (1977) wird gezeigt, wie in den späten DDR-Jahrzehnten das Zukunftsparadigma ästhetisch in Erinnerungslandschaften überführt wird. Diese zeichnen sich durch vertikale, schichtende Gestaltungsprinzipien aus, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich sichtbar machen. Durch die Anwendung des Konzepts der Zeitschichten auf die Künste wird der Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung von Zeit und Raum in spätsozialistischen Lebenswelten herausgearbeitet. Der Beitrag versteht künstlerische Schichtungen als Formen kultureller Archäologie, in denen sich gesellschaftliche Zäsuren sedimentieren und die Geschichte der DDR als ästhetische und erinnerungskulturelle Struktur erfahrbar wird. This article examines artistic explorations of socialist concepts of space and time in the GDR since the late 1970s. These are understood in Reinhart Koselleck's sense as aesthetic “layers of time.” The article asks how visual art, film, and literature reflect, transform, or subvert the concepts of time and space in socialism, which were shaped by progressive thinking and historical materialism. Using Gerhard Altenbourg's works, Kurt Tetzlaff's documentary film “Erinnerung an eine Landschaft – für Manuela” (Memories of a Landscape – for Manuela, 1983) and Angela Krauß's story “Frühschicht” (Early Shift, 1977), it shows how, in the late decades of the GDR, the future paradigm was aesthetically transformed into landscapes of memory. These are characterized by vertical, layered design principles that make the past, present, and future visible at the same time. By applying the concept of layers of time to the arts, the connection between the perception of time and space in late socialist living environments is explored. The article understands artistic layers as forms of cultural archaeology in which social ruptures are sedimented and the history of the GDR can be experienced as an aesthetic and cultural structure of memory.
Fields of Study & Subjects
Literature and Cultural Memory
Memory
History
Trauma
Identity
German History and Society
Publication details
- Journal / source
- Wallstein Verlag eBooks
- Pages
- 259–283
- Publication date
- 6 January 2026
- Document type
- Book chapter