Arktische Geopolitik – ein weiterer Grönland-Konflikt im Nordischen Rat
Abstract
Dieses Arbeitspapier gibt einen kurzen Überblick über den Grönland-Konflikt im Nordischen Rat und über die aktuellen Entwicklungen im parallelen Grönland-Konflikt mit den Vereinigten Staaten. Während sich die internationale Gemeinschaft auf den aktuellen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark um die Kontrolle von Grönland konzentriert, findet zurzeit ein weiterer weitgehend unbemerkt gebliebener Konflikt um Grönland im Nordischen Rat statt, bei dem es ebenfalls um den Status von Grönland geht und der mit der jetzt geplanten Revision des Grundlagenvertrages von Helsinki von 1962 über die Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten ein kritisches Stadium erreicht hat. Im Ergebnis muss Dänemark den Status Quo in Grönland jetzt parallel gegen die Vereinigten Staaten und Präsident Trump auf der einen Seite und im Nordischen Rat auf der anderen Seite verteidigen, wobei in beiden Konflikten der Verlust der Kontrolle über Grönland droht. Im Jahr 2024 erklärten die Färöer und Grönland, dass sie einen Ausschluss von nordischen Gipfeltreffen zur Außen- und Sicherheitspolitik, zu denen sie nicht eingeladen wurden, nicht länger akzeptieren und Vollmitglieder werden wollen. Man einigte sich auf eine rechtliche Überprüfung des Helsinki-Vertrags, für den 2026 eine Revision geplant ist. Ende 2025 hat der Nordische Rat dann durch die Änderung der Geschäftsordnung jedoch Fakten geschaffen, ohne die Revision des Helsinki-Vertrages abzuwarten. Mit Wirkung vom 01.01.2026 sind Grönland, die Färöer und Åland gleichberechtigte Mitglieder des Präsidiums und somit an allen wichtigen Entscheidungen des Nordischen Rates gleichberechtigt (equal footing) beteiligt . Zudem wurden sie offiziell als ‚three countries‘ (drei Länder) bezeichnet . Die Revision des Vertrages wurde von der gemeinsamen Präsidentschaft von Dänemark und den Färöern zur Priorität erklärt. Insbesondere die Färöer streben einen Umbau Dänemarks zu einem Staatenbund an, wobei die Details (Assoziation, Föderation, Dominion usw.) zwar noch unklar sind, aber der Verlust der dänischen Kontrolle über Grönland unmittelbar im Raum steht. Die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard hat nach Informationen des Wall Street Journals die US-Geheimdienste Central Intelligence Agency (CIA), Defense Intelligence Agency (DIA) und National Security Agency (NSA) im Mai 2025 angewiesen, die Sammlung von Informationen über die grönländische Unabhängigkeitsbewegung zu intensivieren, woraufhin Dänemark den US-amerikanischen Botschafter einbestellte. Mitte Juni 2025 wurde die militärische Anbindung Grönlands seitens der USA durch die Ausgliederung aus dem europäischen Kommandobereich European Command EUCOM und die Eingliederung in das nördliche Kommando Northern Command NORTHCOM, welches der Heimatverteidigung dient, verstärkt. Es wurde daraufhin ein Strategiepapier entwickelt, in dem ein Konzept für die Integration und Transformation Grönlands vorgelegt wurde. Demnach soll Grönland einen assoziierten Status (Associated Territory of the United States) bekommen, der den Grönländern größtmögliche Freiheiten gibt, aber den Vereinigten Staaten Mitsprache und die Möglichkeit zu einer systematischen Modernisierung von Luft- Schiff und Straßenverkehr sowie der digitalen Infrastruktur gibt. Nach circa 10 bis 15 Jahren soll Grönland dann über seinen endgültigen Status abstimmen. Eine weitere Zusammenarbeit in der NATO und mit Dänemark soll es auch weiterhin geben. Zudem bauen die Vereinigten Staaten ihre militärische Präsenz weiter aus: Dänemark hat 2025 dem US-Militär ungehinderten Zugang zu drei Luftwaffenstützpunkten in Karup, Skrydstrup and Aalborg auf dem dänischen Festland gegeben. Die Außenminister Dänemarks und die Außenministerin Grönlands trafen sich am 14.01.2026 in Washington mit dem Vizepräsidenten JD Vance und dem Außenminister Marco Rubio, wobei beide Seiten an ihren Positionen festhielten („We agree to disagree“), aber die Bildung einer hochrangigen Arbeitsgruppe vereinbarten, die nah US-Angaben technical talks on the acquisition agreement for the U.S. to acquire Greenland dienen soll, während die Dänen davon ausgehen, dass es um die Klärung der Differenzen gehen soll. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Dänemark von zwei Seiten gleichzeitig unter starkem politischem Druck steht und der Verlust der Kontrolle über Grönland möglich ist.
Fields of Study & Subjects
Arctic and Russian Policy Studies
European Politics and Security
Historical Geopolitical and Social Dynamics
Publication details
- Journal / source
- osnaDocs (Osnabrück University)
- Publication date
- 19 January 2026
- Language
- DE