Zum Verhältnis von Produktion und Projektion
Abstract
Der Begriff ‚Antiziganismus‘ hat sich als politisches Instrument etabliert, um die spezifische Form des Rassismus gegen Sinti_zze und Rom_nja zu benennen. Gleichwohl erklärt er nicht hinreichend die Mechanismen und Funktionen dieses Phänomens; zudem reproduziert er in seiner Wortwurzel jene Fremdbezeichnung, die er kritisieren will. Der vorliegende Beitrag greift das 2016 von Mario Franz entwickelte Konzept der Z-Projektion auf und unternimmt den Versuch, es theoretisch zu fundieren und analytisch zu operationalisieren. Der entscheidende Perspektivwechsel liegt darin, dass nicht die vermeintlichen Eigenschaften der Betroffenen im Zentrum stehen, sondern die Frage, welche Funktionen die Konstruktion der ‚Z‘-Figur für die Selbstkonstitution der Mehrheitsgesellschaft erfüllt. Die historische Analyse zeichnet die Produktion dieser Figur von Grellmanns wissenschaftlicher Grundlegung (1783) über die institutionelle Materialisierung in der Münchner „Z-Zentrale“ (1899) und den nationalsozialistischen Genozid bis zu den Transformationsprozessen der Gegenwart nach. Der Beitrag argumentiert, dass Wissenschaft historisch nicht nur Beobachterin, sondern Koproduzentin antiziganistischer Wissensordnungen war und daher eine besondere Verantwortung für deren Dekonstruktion trägt.
Fields of Study & Subjects
Romani and Gypsy Studies
German legal
social
and political studies
German Social Sciences and History
Publication details
- Journal / source
- osnaDocs (Osnabrück University)
- Publication date
- 17 February 2026
- Language
- DE