Anforderungen an eine evidenzbasierte Entwicklung von App-Interventionen zur Unterstützung einer Verhaltensänderung in der Prävention von Berufsdermatosen
Abstract
Die Digitalisierung hat das Gesundheitswesen in unterschiedlichen Bereichen transformiert, u. a. auch in der Prävention und Versorgung chronischer, nicht-übertragbarer Krankheiten durch den Einsatz von Smartphone-Applikationen (sog. Apps). App-Interventionen können die patient:innenzentrierte Versorgung fördern und unterstützen Betroffene bei der Umsetzung gesundheitsrelevanter Verhaltensweisen. Dies betrifft auch berufsbedingte Hauterkrankungen, die aufgrund ihrer hohen Verdachtsanzeigen und steigenden Anerkennungsfälle ein bedeutsames Erkrankungsbild der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung darstellen. Mit der App Mein Hautschutz im Alltag (MiA-App) wurde für dieses Anwendungsfeld erstmalig ein App-basiertes Angebot entwickelt, das Betroffene bei der Umsetzung von Hautschutzverhalten sowie im Selbstmanagement unterstützt. Trotz der Potentiale von App-Interventionen ist zu konstatieren, dass aktuell verfügbare Angebote nicht oder nur unzureichend auf Grundlage evidenzbasierter Erkenntnisse beruhen. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel dieser Dissertationsschrift, drei Untersuchungen im Anwendungsfeld der Berufsdermatologie mit Blick auf zentrale Anforderungen an die evidenzbasierte Entwicklung von App-Interventionen zu analysieren. Dafür werden zunächst bedeutsame Merkmale zur Entwicklung komplexer Interventionen beschrieben sowie Perspektiven der Evidenzbasierten Public Health beleuchtet. Diese Hintergründe bilden den theoretischen Bezugsrahmen dieser Arbeit für die anschließende Verortung der drei Untersuchungen. Die drei Originalarbeiten lassen sich in unterschiedlichen Phasen des Interventionsdesigns zur Entwicklung komplexer Interventionen verorten. Kennzeichnend für Untersuchung I ist die präzise, vollständige und standardisierte Beschreibung einer bereits implementierten Intervention. Die Arbeit zeigt exemplarisch, wie die Berichterstattung komplexer Interventionen als zentrale Voraussetzung für evidenzbasierte Interventionen erfolgen kann. In Untersuchung II wird der mehrstufige Entwicklungsprozess von App-Interventionen deutlich, der die drei Gegenstandsbereiche der evidenzbasierten Entscheidungsfindung und partizipativen Technikentwicklung berücksichtigt. Untersuchung III zeichnet sich durch den iterativen und nutzer:innenzentrierten Forschungsansatz zur Entwicklung und Überprüfung der Machbarkeit von App-Interventionen aus. Insgesamt verdeutlicht diese Arbeit die enge Kollaboration zwischen Forschenden, Entwickelnden und Nutzenden im gesamten Entwicklungsprozess von App-basierten Angeboten. Insbesondere die Partizipation der Nutzenden trägt für die langfristige Adhärenz an diesen Maßnahmen eine zentrale Bedeutung. Sie sollte möglichst frühzeitig im Entwicklungsprozess berücksichtigt werden. Zudem erfordert die Entwicklung komplexer, App-basierter Interventionen eine Methodenpluralität während des gesamten Interventionsdesigns. Diese Arbeit stellt Unterschiede zwischen traditionellen Forschungsmethoden und der App-Entwicklung heraus und unterstreicht den Bedarf für die Etablierung von Forschungsmodellen, die Agilität und Anforderungen der Evidenzbasierten Public Health vereinen. Das Ergebnis des Entwicklungsprozesses sollten in einer vollständigen Berichterstattung der Intervention münden. Diese unterstützen Nutzende, geeignete Angebote auszuwählen und Forschende, zukünftig fundiertere Aussagen hinsichtlich der Evidenz von App-Interventionen zu treffen.
Fields of Study & Subjects
Mobile Health and mHealth Applications
Digital Mental Health Interventions
Contact Dermatitis and Allergies
Publication details
- Journal / source
- osnaDocs (Osnabrück University)
- Publication date
- 17 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis