Typisierung der Agrarräume Deutschlands
Abstract
Die intensive landwirtschaftliche Nutzung, verbunden mit hohem Einsatz an synthetischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln, hohen Viehbesatzdichten sowie dem Verlust an Struktur- und Lebensraumvielfalt, gilt als zentraler Treiber des Rückgangs der Artenvielfalt in den Agrarlandschaften Deutschlands. Bislang fehlt jedoch eine umfassende Datengrundlage zum Zustand und zu den Trends der Biodiversität in Agrarlandschaften sowie den wesentlichen Treibern von Biodiversitätsveränderungen. Bestehende bundesweite Monitoring-Programme beschränken sich auf ausgewählte Artengruppen (z. B. Vögel, Tagfalter) oder bestimmte Lebensräume (Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, High Nature Value Farmland) und berücksichtigen dabei nicht die möglichen Ursachen von Veränderungen der Artenvielfalt und -zusammensetzung. Zudem mangelt es an einem räumlich differenzierten, agrarraumspezifischen Ansatz, der die Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft und Biodiversität regional differenziert abbildet. Ein regional differenziertes Monitoring erfordert das Verständnis wiederkehrender Muster im Hinblick auf Treiber und Zustand der Biodiversität. Angesichts der Vielfalt der Agrarlandschaften und Produktionssysteme in Deutschland ist hierfür eine Typisierung der Agrarräume Deutschlands notwendig, die die komplexen Wechselwirkungen zwischen Biodiversität und landwirtschaftlicher Nutzung charakterisiert. Der vorliegende Bericht stellt die konzeptionellen Grundlagen, die Methodik und die Ergebnisse eines solchen Typisierungsansatzes für die Agrarräume Deutschlands vor. Grundlage für die Typologie der Agrarräume Deutschlands ist eine Cluster-Analyse, die in enger Abstimmung mit Expert*innen im Rahmen einer Workshop-Reihe entwickelt wurde. In einem partizipativen Prozess wurden 15 Eingangsvariablen aus den Bereichen Landbedeckung, Landschaftsstruktur, Nutzungsintensität, Klima und Relief identifiziert und analysiert, um regionaltypische, charakteristische Muster für die Agrarräume Deutschlands zu ermitteln. Die resultierende Typology unterscheidet acht Agrarraumtypen, einschließlich Ackerbau-dominierten, Milchviehhaltung-dominierten und Mosaik-Typen. Die charakteristischen Kombinationen der in der Analyse verwendeten Variablen geben Hinweise auf die kausalen Zusammenhänge zwischen Umweltbedingungen, landwirtschaftlicher Produktion und Landschaftsstruktur, und bilden damit eine wichtige Grundlage zur Identifikation agrarraumspezifischer Herausforderungen für den Erhalt biologischer Vielfalt. Die Typisierung der Agrarräume Deutschlands stellt somit eine zentrale Grundlage für die Entwicklung regional-spezifischer Zielbilder zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität, daran angepasster Politikmaßnahmen und schließlich regional-differenzierter Indikatoren dar. Darüber hinaus kann sie als räumlicher Bezugsrahmen für ein bundesweites Monitoring der biologischen Vielfalt in Agrarlandschaften dienen.
Fields of Study & Subjects
Land Use and Ecosystem Services
Ecology and Vegetation Dynamics Studies
Sustainable Agricultural Systems Analysis
Publication details
- Journal / source
- OpenAgrar
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book