Mitwirkungspflichten als System-Interface
Abstract
Dieses Whitepaper analysiert die Mitwirkungspflicht im Verwaltungsverfahren als Schnittstelle zwischen rechtsstaatlicher Sachverhaltsermittlung und institutioneller Informationsasymmetrie. Es zeigt, wie Mitwirkung als legitimes Instrument funktionieren kann – und wie sie in der Praxis zugleich als „Notausgang“ missbraucht werden kann: als Verschiebung von Beweis- und Risikoanteilen, als Hebel zur Intransparenz und als Kostenmechanismus. Ausgehend von anonymisierten Fallvignetten und systemtheoretischer Betrachtung wird ein Kohärenz‑Modell vorgeschlagen, das die kritischen Prüfpunkte benennt, an denen Verfahren stabil (nachvollziehbar, überprüfbar) oder instabil (widersprüchlich, unlesbar) werden. Darauf aufbauend wird begründet, warum Mensch×KI‑Kooperation zur neuen Basiskompetenz wird: nicht als Ersatz für Recht, sondern als Werkzeug zur Rekonstruktion von Zeitlinien, Aktenlogik und Verantwortungszuordnung. Das Paper schließt mit praktischen Handlungsempfehlungen für Bürger, Verwaltung und Gericht sowie einem Ausblick auf „digitale Kompetenz 2.0“: Kohärenzfähigkeit als Kernkompetenz im Zeitalter der KI.
Fields of Study & Subjects
Public Administration and Political Analysis
Law and Political Science
Digitalization
Law
and Regulation
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 8 January 2026
- Document type
- Preprint