Warum ein kosmologisches Weltmodell nicht ausreicht: Zur Überdehnung des Einheitsanspruchs in der modernen Kosmologie

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Authors: Stefan Rapp
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Abstract

Die moderne Kosmologie ist seit einigen Jahren von anhaltenden empirischen „Spannungen“ zwischen unterschiedlichen Messmethoden und kosmologischen Epochen geprägt. Diese werden meist als lokale Inkonsistenzen interpretiert, die innerhalb eines einheitlichen theoretischen Rahmens durch Datenverbesserung oder Modellanpassung aufzulösen seien. Dieses Paper argumentiert, dass diese Deutung ein tiefer liegendes methodologisches Problem verdeckt. Die Persistenz kosmologischer Spannungen ist weniger Ausdruck fehlerhafter Daten oder unzureichender Gleichungen als Folge eines überdehnten Anspruchs auf modelltheoretische Einheit. Die Analyse zeigt, dass die kosmologische Praxis bereits faktisch mit unterschiedlichen Modellierungsregimen für verschiedene Skalen und physikalische Kontexte arbeitet, ohne diese Domänenabhängigkeit explizit anzuerkennen. Spannungen erscheinen dadurch als Anomalien, statt als Hinweise auf begrenzte Geltungsbereiche. Das Paper schlägt eine methodologische Neuorientierung vor, bei der ein globales kosmologisches Weltmodell durch strukturierte Modell-Sets aus domänenspezifischen, empirisch überprüfbaren Modellen ersetzt wird. Damit verschiebt sich auch die Falsifikationsebene von einzelnen Parametern hin zur Modellarchitektur und Domänenzuordnung. Eine solche domänenverantwortliche Modellierung erhöht die epistemische Transparenz und trägt der wachsenden Präzision kosmologischer Daten besser Rechnung.

Fields of Study & Subjects

Cosmology and Gravitation Theories Philosophy and History of Science Philosophy Science and History

Publication details

Journal / source
Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
Publication date
16 January 2026
Language
DE