Haftungsfalle Schienensystem Brauchbare Illegalität und organisationale Resilienz im Schatten der Richtlinie 408
Abstract
Die vorliegende Untersuchung demaskiert die systemische Diskrepanz zwischen prozeduraler Strenge und operativer Notwendigkeit im deutschen Bahnbetrieb. Im Zentrum der Analyse steht das Konzept der „Brauchbaren Illegalität“ als unverzichtbares funktionales Äquivalent zur Aufrechterhaltung der Netzkapazität unter Bedingungen infrastruktureller Erosion. Die Arbeit belegt mithilfe der Normal Accident Theory und dem Job-Demand-Control-Modell, dass die Richtlinie 408 zunehmend als Instrument der organisationalen Haftungsdelegation fungiert. Dies drängt das operative Personal in eine unlösbare Verantwortungsfalle zwischen Effizienzdruck und persönlichem Haftungsrisiko. Durch die Gegenüberstellung von Safety-I und Safety-II sowie die Anwendung des Exit-Voice-Loyalty-Modells nach Hirschman werden die psychosozialen Folgen für das Stellwerkspersonal und die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitskultur aufgezeigt. Die Abhandlung schließt mit einem Plädoyer für eine rechtliche Absicherung operativer Spielräume, um die Integrität der handelnden Akteure in kritischen Infrastrukturen (KRITIS) zu schützen. Keywords: Brauchbare Illegalität, Richtlinie 408, KRITIS, Normal Accident Theory, Safety-II, Haftungsdelegation, Schienenverkehr, Resilienz, Organisationssoziologie, Job-Demand-Control, Exit-Voice-Loyalty, Fahrdienstleiter, HRO, ETTO-Prinzip, Dirk Simon.
Fields of Study & Subjects
Occupational Health and Safety Research
Transportation Systems and Safety
Administrative Law and Governance
Publication details
- Journal / source
- Kölner Universitäts PublikationsServer (Universität zu Köln)
- Publication date
- 18 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Book