Die fehlende vierte Gewalt Zur institutionellen Blindheit des Rechtsstaats gegenüber den Kosten der Rechtsdurchsetzung

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Authors: Rapp, Stefan
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Abstract

Moderne Rechtsstaaten stehen zunehmend vor dem Problem, dass die konsequente Durchsetzung rechtlich eindeutig festgestellten Unrechts erhebliche gesellschaftliche Kosten verursachen kann. Unrecht bleibt zwar identifizierbar, wird jedoch häufig selektiv, abgestuft oder gar nicht beseitigt. Solche faktisch kostenbasierten Vollzugsentscheidungen erfolgen meist informell, intransparent und ohne klare Verantwortungszuweisung.Der Beitrag argumentiert, dass dieses Defizit auf eine strukturelle Lücke im klassischen Dreigewaltenmodell zurückzuführen ist. Während Legislative, Judikative und Exekutive Normsetzung, Unrechtserkenntnis und Vollzug abdecken, fehlt eine eigenständige institutionelle Bewertung der gesellschaftlichen Kosten und Folgen der Rechtsdurchsetzung selbst. Kostenbasierte Entscheidungen über Durchsetzung und Unterlassung verbleiben dadurch in einem normativen Graubereich.Als Antwort entwickelt der Beitrag die Idee einer „fehlenden vierten Gewalt“, funktional verstanden als unabhängige Normvollzugs- und Folgeninstanz. Sie greift weder in Normgeltung noch in richterliche Entscheidungen ein, sondern macht kostenbasierte Vollzugsentscheidungen transparent, begründungspflichtig und revisionsfähig. Unrecht bleibt normativ unberührt, während die Verantwortung für seine begrenzte Realisierung sichtbar wird und so die normative Integrität des Rechtsstaats unter Bedingungen wachsender Komplexität gestärkt wird.

Fields of Study & Subjects

Judicial and Constitutional Studies Administrative Law and Governance Law Economics and Judicial Systems

Publication details

Journal / source
Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
Publication date
18 January 2026
Language
DE