Die Singularität des Vermögens und sein Ereignishorizont
Abstract
Dieser Essay führt das Begriffspaar „finanzielle Singularität“ und „Ereignishorizont des Vermögens“ als analytische Linse ein, um einen Funktionswechsel von Reichtum zu beschreiben. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Vermögen ab einem Schwellenbereich nicht mehr primär Konsum- oder Sicherheitsmittel ist, sondern zur Systemmacht wird: Es produziert nicht nur Erträge, sondern beeinflusst zunehmend die Bedingungen, unter denen es begrenzt werden könnte. Der Ereignishorizont bezeichnet dabei den Punkt, an dem typische gesellschaftliche Korrekturmechanismen – Markt, Recht/Regulierung, Organisation und Öffentlichkeit – ihre Rolle als harte Grenzen verlieren und überwiegend zu kalkulierbaren Kosten werden. Die Herleitung stützt sich auf drei anschlussfähige Forschungslinien: kumulative Vorteilsbildung (Merton, 1988), ökonomische Theorie der Regulierung und Capture (Stigler, 1971) sowie die Beobachtung settlement-basierter Steuerung großer Akteure („too big to jail“; Garrett, 2018). Ergänzend wird empirische Evidenz zu asymmetrischem Eliteneinfluss herangezogen (Gilens & Page, 2014). Auf dieser Basis werden Kriterien und Symptome des Ereignishorizonts entwickelt, zentrale Folgen für Demokratie, Märkte, Kultur und Moral Hazard skizziert und Gegenkräfte (Antitrust, Steuerdesign, Transparenz, Durchsetzungskapazität) als Hebelklassen diskutiert.This is an essay / conceptual paper
Fields of Study & Subjects
Elite Sociology and Global Capitalism
Economic Theory and Institutions
Housing
Finance
and Neoliberalism
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 7 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Preprint