Weg vom Durchschnitt: Bessere Datenanalyse für moderne juristische Arbeit
Abstract
Überblick Das Recht stellt viele Erwartungen an Menschen und Organisationen, aber diese Erwartungen dürfen nicht unerfüllbar sein, sonst lässt sich Verhalten nicht sinnvoll steuern. Wie bildet man aber einen Erwartungshorizont? In einer meritokratischen Gesellschaft wird in der Regel auf die persönliche und gruppenbezogene Leistungsfähigkeit abgestellt. Oft haben wir bei der Schaffung und Anwendung des Rechts dabei einen “Normalmenschen” vor Augen, beispielweise den “Normalverdiener”, den “normal informierten und angemessen aufmerksamen und verständigen Durchschnittsverbraucher” oder ganz allgemein gesprochen die “Mittelschicht”. Ausgehend von diesem idealisierten Referenzmenschen stellen wir dann höhere oder geringere Anforderungen aus besonderen Gründen. Man kann diesen Durchschnittsmenschen natürlich rein normativ bestimmen wie es die juristische Ausbildung uns vorlebt (“durchschnittlichen Anforderungen”), aber dann finden sich möglicherwiese nur eine Handvoll Menschen, die diesen Anspruch tatsächlich erfüllen können. Glauben wir beispielsweise allein der juristischen Ausbildungsstatistik, dann gibt es in Deutschland offiziell so gut wie keine “guten” und “sehr guten” Jurist:innen. Wenn das Recht in der Realität Anwendung finden soll ist es aber sinnvoller sich an der tatsächlichen Leistungsfähigkeit zu orientieren. Diese muss empirisch bestimmt werden. Entgegen der Beteuerungen vieler Jurist:innen kommt juristische Arbeit deshalb nicht wirklich ohne empirische Methoden und Zahlen aus. Abgesehen von den Grundrechenarten ist vor allem ein Bereich unvermeidbar: Statistik. In der Statistik geht es um die Sammlung, Analyse und Kommunikation von Daten. Wir werden uns in der Rechtswissenschaft geläufige statistische Methoden wie Durchschnitt bzw. Tortendiagramme ansehen und über ihre Probleme sprechen. Hinter Ideen wie dem “Normalmenschen” oder der “Mittelschicht” stehen zudem nicht hinterfragte statistische Modelle, die einen irreführenden Eindruck erwecken können. Auf dieser Grundlage sprechen wir anschließend über bessere aber dennoch einfache statistische Methoden, die für alle Jurist:innen erlernbar und benutzbar sind. Kontext Dieser Vortrag wurde online am 10. Februar 2026 im Rahmen eines Vortrages vor dem Legal Tech Lab Cologne online gehalten. Über den Vortragenden Seán Fobbbe ist Völkerrechtler und Legal Data Scientist. Seine Forschungsinteressen liegen im internationalen Menschenrechtsschutz, der Friedensforschung, dem Kulturgüterschutz und der maschinellen Analyse juristischer Texte mittels statistischer Methoden. Website: www.seanfobbe.de
Fields of Study & Subjects
Law
Economics
and Judicial Systems
Artificial Intelligence in Law
Legal Studies and Policies
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 10 February 2026
- Language
- DE