Warum Wissenschaft die einzige Säule ohne institutionelle Selbstverteidigung ist

Read full text
Authors: Stefan Rapp
Cited by: 0

Abstract

Moderne Gesellschaften stützen sich auf mehrere tragende Säulen, darunter Politik, Recht, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft. Während die meisten dieser Systeme über institutionelle Mechanismen zur Selbstbegrenzung und Selbstverteidigung verfügen, bildet die Wissenschaft eine strukturelle Ausnahme. Der Essay argumentiert, dass Wissenschaft keine eigene institutionelle Architektur besitzt, die sie vor funktionaler Überdehnung schützt, sobald sie in politische Entscheidungsprozesse eingebunden wird. Historisch als dezentrale, selbstkorrigierende Erkenntnispraxis entstanden, war Wissenschaft nicht darauf ausgelegt, als machtnahe Instanz zu fungieren. Unter Bedingungen permanenter Krisen wird diese Leerstelle sichtbar: Epistemische Selbstkorrektur wirkt zu langsam, um politische Instrumentalisierung zu verhindern. Ohne eine prozedurale Grenzinstanz zwischen Erkenntnis und Entscheidung droht Wissenschaft, ihre epistemische Autonomie gerade aufgrund ihres gesellschaftlichen Erfolgs zu verlieren.

Fields of Study & Subjects

Research Science and Academia Academic Freedom and Politics Social Science and Policy Research

Publication details

Journal / source
Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
Publication date
11 February 2026
Language
DE