Resilienz als Integrationsleistung: Eine regulative Begriffsbestimmung
Abstract
Der Resilienzbegriff hat sich zu einem disziplinübergreifenden Leitbegriff entwickelt, dessen semantische Unterdeterminiertheit jedoch zunehmend seine analytische Tragfähigkeit gefährdet. Der vorliegende Beitrag entwickelt einen expliziten regulativen Rahmen zur Disziplinierung von Resilienzzuschreibungen. Er unterscheidet zwischen Zuschreibungsbedingungen – den Voraussetzungen, unter denen die Frage nach Resilienz sinnvoll gestellt werden kann (Systemgrenze, Identitätskriterien, Analyse- und Zeitskala, Störungsklasse) – und Erfüllungsbedingungen – den Kriterien, unter denen sie gerechtfertigt mit Ja zu beantworten ist (strukturelle Prüfung und Integrationsleistung). Resilienz wird als Kapazität zur strukturellen Integrationsleistung unter Störung bestimmt – nicht als Erfolgsprädikat oder bloßes Stabilitätsmaß. Der Beitrag formuliert explizite Negativkriterien (kompensatorische Stabilisierung, ungeprüfte Reproduktion, externalisierte Stabilität) und grenzt Resilienz systematisch von verwandten Konzepten ab (Stabilität, Robustheit, Anpassungsfähigkeit, Antifragilität). Der Mehrwert des Ansatzes liegt in seiner systematischen Ausschlusskraft: Er ermöglicht es, Fehlzuschreibungen von Resilienz strukturell zu identifizieren und erhöht so die Vergleichbarkeit und Prüfbarkeit resilienzbezogener Diagnosen.
Fields of Study & Subjects
Systems Engineering Methodologies and Applications
Resilience and Mental Health
Disaster Management and Resilience
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 16 February 2026
- Language
- DE
- Document type
- Preprint