Modale Nuancen im Kommunikationsquadrat: Eine systematische Erweiterung des Vier-Seiten-Modells um die Semantik deutscher Modalverben
Abstract
Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun (1981/2023) beschreibt jede Nachricht als Vierklang aus Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell. Bislang unzureichend systematisiert ist, wie die grammatische Kategorie der Modalität — insbesondere die deutschen Modalverben wollen, sollen, müssen, dürfen, können, mögen sowie ihre Konjunktiv-II-Formen (müsste, sollte, könnte) — die vier Seiten einer Nachricht asymmetrisch modifiziert. Der vorliegende Beitrag entwickelt ein integratives Modell, das die deontisch–epistemische Doppelnatur der Modalverben (Diewald 1999; Öhlschläger 1989) mit den vier Kommunikationsebenen verschränkt und daraus ein Analysewerkzeug für modale Diskrepanzen ableitet. Kommunikationsstörungen entstehen häufig nicht auf der Ebene propositionaler Inhalte, sondern auf der Ebene modaler Rahmung — insbesondere dann, wenn Wollen-, Sollen- und Müssen-Rahmungen zwischen den vier Seiten entkoppelt auftreten. Aus dem Modell werden sieben Analyseregeln abgeleitet und für Beratung, Mediation und automatisierte Diskursanalyse operationalisiert. Ergänzend wird eine Modellerweiterung skizziert (modalsensitives Vier-Seiten-Modell, msVSM), die die klassische Vier-Seiten-Diagnostik um eine modale Metaebene erweitert. Schlagwörter: Kommunikationsquadrat · Modalverben · deontische Modalität · epistemische Modalität · modale Diskrepanz · Kommunikationsstörung · Nachrichtenanalyse.
Fields of Study & Subjects
Linguistic research and analysis
Syntax
Semantics
Linguistic Variation
Language
Discourse
Communication Strategies
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 2 July 2026
- Language
- DE