Aversion gegen emotionale Sicherheit der Eltern: Entwicklungspsychologische, bindungstheoretische und kriminologische Perspektiven
Abstract
Der Artikel entwickelt die Aversion gegen emotionale Sicherheit der Eltern als wissenschaftlichen Arbeitsbegriff. Beschrieben wird ein Beziehungsmuster, in dem elterliche Nähe, Verlässlichkeit, Trost und wohlwollende Grenzsetzung nicht als Ressource, sondern strukturell als bedrohlich, beschämend, kontrollierend oder entwürdigend erlebt werden. Auf mittlerer Abstraktionsebene werden Befunde aus Adoleszenzforschung, Bindungstheorie, Psychodynamik und Kriminologie integriert. Die Kategorie wird gegen normale puberale Ablösung abgegrenzt und als relationale Fehlkodierung von Sicherheit selbst gefasst: nicht als intrapsychisches Defizit und nicht als bloßer sozialer Konflikt, sondern als gelernte Misstrauensreaktion auf Bindung. Kernpunkte: Begriffsbestimmung von emotionaler Sicherheit als verlässliche, nicht-entwürdigende Beziehungsqualität und der Aversion als struktureller Entwertung dieser Sicherheit. Entwicklungspsychologische Einordnung: Autonomie und Verbundenheit als Nicht-Nullsummenspiel; Distanzwerte sind kontextabhängig deutbar. Bindungstheoretische Perspektive: desorganisierte und kontrollierend-strafende Muster als Brücke zu Aggressivität und Delinquenz. Psychodynamik der Aversion als paradoxe Schutzbewegung gegen Bedürftigkeit, Angewiesenheit und affektive Empfangsbereitschaft. Familie, Peers und Ersatzsicherheit: funktionaler Ersatz statt Ergänzung als Risikoprofil. Kriminologische Relevanz in Kopplung mit instabiler Affektregulation, devianzverstärkenden Peergruppen und Scham-/Schuldabwehr. Abgrenzungen gegen moralistische Fehldeutung und deterministische Kausalannahmen. Heuristische Modellierung entlang vier Dimensionen (affektive Bewertung elterlicher Nähe, Annahmefähigkeit von Unterstützung, Deutung von Grenzen, Loyalitätsverlagerung) plus Symbolisierbarkeit von Scham, Schuld und Bedürftigkeit. Zugehörigkeit: Logik-Institut, unabhängige theoretische Modellentwicklung. Rein analytisch-deskriptiv, keine therapeutischen oder alltagspraktischen Empfehlungen.
Fields of Study & Subjects
Psychology
Coaching
and Therapy
Child and Adolescent Psychosocial and Emotional Development
Attachment and Relationship Dynamics
Publication details
- Journal / source
- Zenodo (CERN European Organization for Nuclear Research)
- Publication date
- 14 July 2026
- Language
- DE