Zusammenhänge des Oxytocin-Plasmaspiegels mit dem Psychotherapie-Outcome bei Patientinnen und Patienten mit persistierender depressiver Störung
Abstract
Bis zu einem Drittel der Depressionen nehmen einen chronischen Verlauf und stel-len eine große Herausforderung für das Gesundheitssystem dar. Seit Einführung des DSM-5 werden chronische Formen unter dem Begriff der Persistierenden de-pressiven Störung (PDS) zusammengefasst. Charakteristische Defizite wie Schwie-rigkeit in sozialer Interaktion und Aufbau funktionierender zwischenmenschlicher Beziehungen sind Kernpunkte, die in dem spezifisch angepassten Behandlungs-konzept CBASP (Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy) adres-siert werden. In den letzten Jahrzehnten wurde zunehmend nach neurobiologi-schen Korrelaten gesucht um eine Diagnostik / Therapie psychischer Erkrankungen zu erweitern / unterstützen. Einen vielversprechenden Kandidaten stellt dabei das Neuropeptid Oxytocin (OT) dar, dem eine entscheidende Rolle in zwischenmenschlichen Bindungen zuge-sprochen wird. Dieses Forschungsprojekt basierte auf einer durchgeführten Pilot-studie, bei der bereits Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Oxytocinplas-maspiegel und Psychotherapieoutcome gefunden wurden. Im Rahmen dieser Promotionsarbeit wurde versucht anhand von OT-Plasmaspiegel vor / nach 10-wöchiger CBASP-Therapie OT- Veränderungen darzustellen und die-se anschließend mit klinischen Parametern der Patient*innen mit PDS in Zusam-menhang zu bringen. Wir konnten insgesamt 110 Patient*innen mit PDS, die am 10-wöchigen CBASP-Therapieprogramm teilnahmen, auf der Spezialstation für affektive Erkrankungen der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikums der LMU München rekrutieren. Bei allen Patient*innen erfolgte zum Zeitpunkt der Aufnahme und Entlassung eine Blutentnahme zur OT Bestimmung und die Durchführung ver-schiedener psychometrischer Fragebögen (BDI-II, HAMD-17). Mit den Fragebögen konnte somit das Depressionsausmaß aus subjektiver Sicht (BDI-II) und aus Sicht der Behandelnden (HAMD-17) bestimmt werden und eine klinische Verbesserung / Verschlechterung durch CBASP gemessen werden. Zudem wurde bei Aufnahme auf Traumatisierungserfahrungen in Kinder- / Jugendzeit gescreent, die gehäuft bei Betroffenen mit PDS auftreten. Ein Hauptergebnis unserer Datenanalyse war die signifikante klinische Verbesse-rung der Depressionssymptomatik durch CBASP sowohl im Selbstrating (BDI-II) als auch im Fremdrating (HAMD-17). Daher können wir mit unseren Ergebnissen be-stätigen, dass CBASP als störungsspezifischer Psychotherapieansatz wirksam ist. Unsere Datenanalyse zeigte im Gesamtsample einen Anstieg der OT-Plasmaspiegel, der allerdings mit durchschnittlich 6% gering ausgeprägt war und sich nicht signifikant abhängig von Ansprechen oder Nicht-Ansprechen auf CBASP unterschied. Allerdings erbrachte eine weitere Analyse diskrete Hinweise auf einen positiven Zusammenhang zwischen Zunahme an OT und klinischer Verbesserung der Depressionssymptomatik. Dies galt nur für die Selbsteinschätzung (BDI-II) und vor allem für Männer mit einem höherem Ausgangsniveau des OT. Ein gegenteili-ger Zusammenhang als Pendant bei den Frauen wurde nicht beobachtet. Bei den Frauen zeigte sich hingegen bei niedrigem Ausgangsniveau des OT ein positiver Zusammenhang zwischen Zunahme des OT und der Depressionsschwere bei Auf-nahme und Entlassung (BDI-II). Im Gegensatz zur Pilotstudie von Jobst et al. konnten wir in unserer Datenanalyse keine Hinweise darauf finden, dass OT-Plasmaspiegel bei Aufnahme als Prädiktor für eine erfolgreiche Psychotherapie herangezogen werden kann, somit erscheint diese Hypothese als fraglich. Bei Patient*innen mit PDS liegt charakteristisch ein erhöhtes Ausmaß an Traumati-sierungserfahrungen in der Kinder- / Jugendzeit vor, dies konnten wir mit unserem Datensatz bestätigen (CTQ). Des Weiteren zeigte sich ein Zusammenhang zwi-schen einzelnen CTQ-Subskalen und dem OT-Plasmaspiegel bei Aufnahme, dieser verhielt sich allerdings abhängig vom Geschlecht konträr. Ein weiterer Zusammen-hang zwischen CTQ-Subskalen und OT-Parameter konnte nicht entdeckt werden. Festhalten lässt sich, dass unsere Ergebnisse vor allem abhängig vom Geschlecht unterschiedlich waren. Die geschlechterspezifischen Rollen von OT waren bereits in einigen wenigen Studien beobachtet worden. Gründe dafür stehen aktuell zur Diskussion. So könnten eine unterschiedliche Verteilung der Oxytocinrezeptoren in bestimmten Gehirnregionen bei Frauen und Männern, ein unterschiedliches Bin-dungsverhalten des OT, oder Polymorphismen des OT-Gens verschiedene Mög-lichkeiten darstellen und die teils konträren und inkonsistenten Ergebnisse erklä-ren. Zudem besteht weiterhin die Problematik einer geeigneten Messmethode und die Frage ob peripher gemessenes OT zentrales OT widerspiegeln kann. Allerdings kann man in diesem Sachverhalt davon ausgehen, dass jede Messmethode für sich einen Teilaspekt in einem komplexen OT-System abbildet und dieses bis dato noch nicht vollständig verstanden wird. Aus diesem Grund ist weitere Forschung not-wendig.
Fields of Study & Subjects
Neuroendocrine regulation and behavior
Psychotherapy Techniques and Applications
Treatment of Major Depression
Publication details
- Journal / source
- Electronic Theses of LMU Munich (Ludwig-Maximilians-Universität München)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis