Qualitative und quantitative Video-Analyse von Kopfballspiel und Kopfverletzungen im deutschen Juniorenfußball

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Authors: Veronika Anne Seitz
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Abstract

Hintergrund: Fußball stellt die populärste Sportart weltweit dar. In den letzten Jahren rückten durch eine zunehmende mediale Präsenz die Thematik der Kopfverletzungen sowie das Risiko durch das Kopfballspiel in den Vordergrund, was die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung steigerte. Dennoch existiert in der Literatur nur wenig Evidenz, insbesondere für den Juniorenfußball. Methodik: Mittels Videoanalyse wurden insgesamt 424 Spiele aus dem Juniorenfußball aus allen Altersklassen von U9 bis U21 im Hinblick auf die Anzahl des Kopfballspiels und von Kopfverletzungen analysiert. Verletzungssituationen wurden über die Definition des Critical Incident identifiziert. Zudem wurden 51 Spiele aus dem hochklassigen Juniorenfußball in zufälliger Auswahl (eines pro Spieltag) sowie 67 Spiele des Juniorenfußballs des SSV Jahn Regensburg in einer detaillierten Analyse anhand von standardisierten Online-Fragebögen ausgewertet, um eine genaue Beschreibung der Kopfball- sowie verletzungsträchtigen Situationen zu ermöglichen. Ergebnisse: Es wurden insgesamt 424 Spiele mit einer gesamten Spielzeit von 34.010 min. analysiert. Dabei ergab sich eine Gesamtzahl von 35.522 Kopfbällen sowie 171 kopfverletzungsträchtige Situationen. Die Anzahl der Kopfbälle pro Spiel erhöhte sich mit steigender Altersklasse von 33,9/Spiel bzw. 2,1/Spiel und Spieler (U11-U9) bis hin zu 102,0/Spiel bzw. 4,6/Spiel und Spieler (U19). Die Kopfbälle wurden zum größeren Teil im defensiven Kontext ausgeführt (rund 2/3). Kopfbälle wurde überwiegend aus dem freien Spiel heraus getätigt. Deren Intention war in den meisten Fällen ein Pass oder das Klären einer Situation. Der Anteil an Kopfbällen in Standardsituationen (wie bspw. Einwurf) nahm mit steigender Altersklasse ab. Zudem ließen sich häufig Zweikampfsituationen mit Kopfbällen assoziieren, welche mit steigendem Alter zunahmen (U11-U9: 38,3% bzw. U21: 59,3%). Die insgesamt 171 kopfverletzungsträchtigen Situationen lieferten in einzelnen Kohorten bei teils sehr niedrigen Fallzahlen nur bedingt aussagekräftige Ergebnisse, weswegen in der detaillierten Auswertung nur auf die Kohorten der A- sowie B-Junioren Bundesliga als auch der U19 sowie U17 aus Amateur- Juniorenfußballligen eingegangen wurde. Dabei zeigte sich eine deutliche Assoziation von kopfverletzungsträchtigen Situationen mit Zweikämpfen, wobei insbesondere Kopfballduelle hervorzuheben waren. In der höheren Altersklasse zeichnete sich die Position des Verteidigers als am häufigsten Betroffene ab. Insbesondere eine hohe Ellenbogenposition ging mit einem deutlich erhöhten Risiko für Kopfverletzungen einher. Schlussfolgerungen: Das Kopfballspiel sowie kopfverletzungsträchtige Situationen sind im Juniorenfußball als selten zu beziffern, deren Häufigkeit mit steigendem Alter sowie Professionalität zunehmen. Kopfverletzungen sind dabei eine seltene Folge des Kopfballspiels. Risikofaktoren für Kopfverletzungen stellen Zweikämpfe sowie hohe Ellenbogenpositionen dar. Die Videoanalyse stellt dabei ein probates Mittel dar, um das Kopfballspiel detailliert untersuchen zu können. Die Ergebnisse spiegeln ein reales Abbild des aktuellen Spielbetriebs wider und stellen eine Grundlage für zukünftige präventive Maßnahmen dar, um gezielt das Risiko für Kopfverletzungen zu reduzieren und so konsekutiv mögliche längerfristige Folgen zu minimieren – wie beispielsweise über Edukation sowie Anpassungen des Trainingsprofils sowie Verbesserungen des Spielablaufs.

Fields of Study & Subjects

Sports injuries and prevention Traumatic Brain Injury Research Sports Performance and Training

Publication details

Journal / source
University of Regensburg Publication Server (University of Regensburg)
Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis