Der Arme Konrad im Zabergäu 1514

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Authors: Otfried Kies
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Abstract

Wie es zum Aufruhr kam Das beginnende 16.Jahrhundert war begleitet von politischen und sozialen Bewegungen, die zu den Aufständen des "Armen Konrad" 1514 und des Großen Bauernkriegs 1525 führten.Der Arme Konrad (auch Armer Kunz) von 1514 war zwar eher eine Bewegung der kleinstädtischen Bevölkerung gegen die verantwortungslose Misswirtschaft Herzog Ulrichs, fand jedoch genügend Anhänger auch in der bedrückten Bauernschaft.Verschleierte Abgabenerhöhung durch Verringerung der Gewichte bei gleichbleibenden Preisen und Geldabwertung war der äußere Anlass für die Menschen im Remstal, Händler wie Bauern, auf die unerträglich gewordene Situation aufmerksam zu machen.Anfang Mai 1514 hatte Peter Gaiß, genannt Gaißpeter, aus Beutelsbach im Remstal mit einer spektakulären Aktion seine Stimme gegen die herrschende Not und Ungerechtigkeit im Herzogtum Württemberg erhoben.Die volks-und menschenfeindliche Reaktion der Regierung auf diese und andere Aktionen brachte den "Aufruhr" im Lande und -wie sich im Zabergäu zeigte -auch in angrenzenden Territorien zustande.Selbst wenn er für die "kleinen Leute" ein schmähliches Ende nahm: Der Arme Konrad erzwang immerhin den Tübinger Vertrag von 1514.Der war zwar nicht auf die Bauern gemünzt, erreichte aber letztlich über die Beteiligung aller (und nicht nur einiger weniger) Amtsstädte am "Regiment" eine gewisse frühe Demokratisierung des Herzogtums, die mindestens zum Teil auf die Länge der Zeit auch den Bauern zugute kam.Zuerst aber hatte neben den Städten mit ihrer "Ehrbarkeit", die jetzt alle am "Regiment" des Landtags teilhaben durften, der Herzog selbst den größten Nutzen.Der Große Landtag begann am 20.Juni (Dienstag nach Corpus Christi) in Stuttgart, wurde am 25.Juni nach Tübingen verlegt und schloss am 8. Juli 1514 den danach benannten Vertrag zwischen Herrscher und Landschaft ab.Dabei versprach die Landschaft als Vertretung der Amtsstädte dem Herzog, vierzig Jahre lang für seine Schulden aufzukommen.Diese Entschuldung half Ulrich, Söldnertruppen zur Unterdrückung des Aufruhrs anzuwerben und seine Verbündeten, wie die Ritterschaft von Franken zu Würzburg, für militärische Unterstützung zu bezahlen.Auch in den Amtsstädten Brackenheim und Güglingen im Zabergäu und Lauffen an der Mündung der Zaber in den Neckar waren die Stadtbürger stärker an den Unruhen beteiligt als die Bauern der dazu gehörigen Amtsorte.Aus manchem Amtsort war gar nichts Erhebliches zu melden.Der Bauernstand hatte damals im Gegensatz zu den Städten mit ihrer "Ehrbarkeit" keine politisch erfahrene und verständige Standesvertretung.Darum wurden vor und nach dem Aufstand seine Beschwerden weit weniger wahrgenommen als die der Städte.Namen aus dem Armen Konrad finden sich wieder 1525 im Großen Bauernkrieg, der nun tatsächlich der Sache der Bauern dienen sollte, aber ebenfalls mörderisch niedergeschlagen wurde.Die hier vorgestellte Arbeit soll darstellen, in welcher Weisenach den Berichten der zuständigen Behörden, denn unmittelbare Zeugnisse der Betroffenen liegen nicht vor -sich der Aufstand des Armen Konrads in den Ämtern Lauffen im Unteren Tal, Güglingen und Brackenheim im Mittleren und der Herrschaft Sternenfels im Oberen Tal abspielte.Amt Lauffen Die Obrigkeit von Stadt, Dorf und Amt Lauffen reagierte nicht sogleich mit voller Härte auf die ersten Unruhen, die wohl noch nicht allzu gefährlich schienen.1 Erst "Montags zu Nacht nach Sannt Renßin tag anno &c.XIIII.",dem 17.Juli 1514, lieferte Keller Berchtold Hesslich an Herzog Ulrich einen Bericht, in dem er darstellte, was nach dem Großen Landtag -an dem die Konsequenzen aus dem Aufstand des Armen Konrad beraten worden waren -in Lauffen vorging.Wie auf dem Landtag beschlossen, wurden die gedruckt vorliegenden Beschlüsse "durch Her Bastion von Nyppenburg Rittern Vogt daselbst und Burckhartt Fürderer mit [herzoglichem] volmechtigen Gewaltt" öffentlich verlesen.Ohne weitere Bedenken leisteten am 17.Juli darauf die Bewohner "von Lauffen im Stättlin und Dorff" die geforderte neue Huldigung.In den Amtsorten Ilsfeld und Gemmrigheim wurde das Verlesene "nitt all gründtlich verstanden" und die Einwohner wollten "ein Bedenncken nemmen, sich under ain ander ferner erinnern", aber den Eindruck vermeiden, "das söllichs mit Vorbetrachttung und uß Ongehorsame beschehen were."Hesslich wünschte, dass die Regierung dies "nitt der Mainung inen zu Ongnaden verneme", denn sie hätten "uff lüttere Berichttung auch geschworn" und überhaupt alles wie andere "arme Underthonen" getan.Er wollte damit klarstellen, dass die scheinbare Weigerung aus Nichtverstehen und "nit arger Mainung", sondern in der Hoffnung "uff gutte Underrüchtung" geschehen sei.Er betonte darum, es sei gut, wenn aus diesen Gründen "die Armen nit veronglimpffett werden".Die Unruhe im Doppelort aus Dorf und Stadt an der Zabermündung und den zugehörigen Amtsorten war eigentlich so gering gewesen, dass die Affäre sich ohne großes Aufsehen erledigt hätte.Doch die Obrigkeit bohrte nach.Am "Aubendt Nativitatis Marie anno &c.XIIII.",dem 7. September 1514, holten die die herzoglichen Gesandten Ludwig Spet, Renhart von Neuhausen und "doctor Batten" 2 eine "Erfarung des ampt Loffen" ein.Sie befragten als Zeugen vom Gericht "Engelhans" Engelmann, Bechtlin Schuemacher,

Fields of Study & Subjects

Reformation and Early Modern Christianity Medieval and Early Modern Justice Central European national history

Publication details

Journal / source
Zeitschrift des Zabergäuvereins
Issue
1
Pages
2–34
Publication date
3 March 2026
Language
DE