Die Ravensburger Handelsgesellschaft

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Authors: Willy Andreas
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Abstract

Obser, der damalige Direktor des Badischen Gene- rallandesarchivs, in einem Speicher des Schlosses Salem einen Stoß vergilbter Dokumente aufstöberte (1909).Es waren Papiere der großen Ravensburger Handelsgesellschaft, die als führende Wirtschafts- macht am Bodensee ihre Geschäftsbeziehungen weit über das heimatliche Schwaben und die alemannischen Nachbargebiete hinaus erstreckt hat.Niemand hätte diese Geschäftspapiere dort in Salem vermutet; sie haben ihre eigene wundersame Ge- schichte.Als nämlich die Ravensburger Gesellschaft sich um 1530 auflöste, hob ihr Rechnungsführer, der schon bejahrte Alexius Hilleson, einen Teil der Akten bei sich auf.Er tat es wohl kaum, weil er sich gegen mögliche Beschwerden zu decken wünschte.Eher lag ihm vielleicht daran, die Erinnerung an vergangene Zeiten zu bewahren.Noch wahrscheinlicher dürfte es sein, daß er diese Niederschriften den Nachkom- men zu ihrer Unterweisung als eine Art Lehrmittel hinterlassen wollte.Sie mögen dann aber, ohne praktisch mehr genutzt worden zu sein, in irgend einem Winkel verstaubt sein.Historisch sie auszuwerten lag den Menschen, da sie mehr in der stürmisch be- wegten Gegenwart lebten, damals noch fern.Einer geschichtsfreundlicheren Zeit blieb es Vorbehalten, ihren Wert zu erschließen.Ein Enkel Hillesons, der Mönch im Zisterzienserkloster Salem wurde, brachte sie in dessen Archiv.Mit der Säkularisation der Stifter und Klöster fiel die ehemalige Reichsabtei Salem unter die Hoheit des Kurfürsten, späteren Großherzogs Karl Friedrich von Baden, ebenso das dazugehörige Klosterarchiv.Mit dem Besitz ob dem Bodensee wurde die jüngere Linie des großherzoglichen Hauses ausgestattet.Die reichen urkundlichen Schätze von Salem wanderten bald unter Vorbehalt des Eigentümers nach Karls- ruhe ins Generallandesarchiv, später folgten die Akten.Nur ein Rest blieb in Salem zurück.Niemand schenkte diesen Beständen aus der Hinterlassenschaft der Ravensburger Beachtung.Eine alte Aufschrift bezeichnet sie geringschätzig als "unnütze Handels- sachen".So schlummerten sie noch geraume Zeit in einer Schublade.Da sie offenstand und ein nahe- gelegenes Fenster auch nicht verschlossen war, nistete ein Vogelpaar in dem Fach.Freilich, ein Freund der Ordnung schob eines Tages die Lade zu, was den ausgebrüteten Jungen leider den Tod brachte.Die neue und letzte Phase der Geschichte dieser halbvergessenen Dokumente setzt mit ihrer Wieder- entdeckung durch Karl Obser anläßlich einer Archiv- revision ein.Mit Genehmigung des Prinzen Max von

Fields of Study & Subjects

Historical Economic and Social Studies Digital and Traditional Archives Management Historical and Political Studies

Publication details

Journal / source
Schwäbische Heimat
Volume
1
Issue
6
Pages
254–257
Publication date
24 February 2026
Language
DE