Die "Visitation" im Zabergäu 1547/1548
Abstract
Der vorliegende Text basiert auf dem Vortrag, den der Autor bei der Jahreshauptversammlung im Oktober 2017 in Brackenheim zum Thema "Einführung der Reformation in den Gemeinden des Zabergäus" gehalten hat.Für den Druck wurde er um Anmerkungen sowie Quellen-und Literaturangaben erweitert.In den 1540er Jahren begann man im durch die religiösen Wirren im Römischen Reich beunruhigten Herzogtum Württemberg darauf zu sinnen, wie man im eigenen Land die Religions-und Kirchenangelegenheiten ordnen könne.Bereits ab 1520 hatte der gerade erst ernannte Prädikant Konrad Sam (um 1483-1533) in Brackenheim evangelisch gepredigt 1 -was er damit büßte, dass er 1524 in die Freie Reichsstadt Ulm fliehen musste, wo er dem reformationsfeindlichen habsburgischen Regime in Württemberg nicht ausgesetzt war und zum Reformator Ulms wurde.Ähnlich ging es dem Luther-Schüler Johannes Gayling (1495-1559), der nach Studium in Wittenberg, Heidelberg und Tübingen in seinem Heimatort Ilsfeld im Amt Lauffen Pfarrer wurde, deshalb 1523 ebenfalls fliehen musste; später aber Weinsberg reformieren half.Herzog Ulrich war 1519 abgesetzt und das Land durch den Schwäbischen Bund an das Haus Habsburg verkauft worden.Erst nachdem er 1534 sein Herzogtum wieder erlangt hatte, konnte Ulrich den Übergang zum evangelischen Bekenntnis in Württemberg vornehmen lassen.Wir berichten hier nicht von den geistlichen Problemen, die damals auftauchten.Die waren Aufgabe der Reformatoren, wie Matthäus Alber (1495-1570), Erhard Schnepf (1495-1558) und Johannes Brenz (1499-1570) und ihrer theologischen Helfer.Wir berichten vielmehr über die praktischen, oft durch Versäumnisse, Veruntreuungen, mangelhafte Sorgfalt ihrer Verwalter unklaren Verhältnisse der Kirchen. 2 Eine Neuorganisation war allein schon deswegen notwendig, weil vor der Reformation das Kirchenwesen in unserer Region durch die Bistümer Würzburg in Lauffen, Worms meist links der Zaber und Speyer meist rechts der Zaber, relativ unabhängig von der jeweiligen weltlichen Regierung, gestaltet und verwaltet worden war.Die Rechte der Bistümer wurden nun vom Herzogtum übernommen.Dazu kam, dass die Iura Patronatus und Collationis -Rechte und Pflichten zur Unterhaltung der Kirchen und Anstellung der Geistlichen -nicht nur beim Landesherrn, sondern oft auch bei vielerlei Patronatsherren, meist Adligen oder geistlichen Instituten, lagen.Jetzt war es Aufgabe des neu gegründeten Kirchenrats, für alles eine neue Ordnung zu finden.Auf einer mehrwöchigen Tagung in Urach im Dezember 1547, nach Visitationen (Besuchen) und Inquisitionen (Untersuchungen) vor Ort, die über Monate und Jahre gegangen waren, und anschließender Konsultation (Beratung) fertigten die Beauftragten Herzog Ulrichs die Instruktionen (Anweisungen) aus, wie die Verwaltung der Heimatblätter aus dem Zabergäu Die "Visitation" im Zabergäu 1547/1548 Zeitschrift des Zabergäuvereins Heft 3/4, Jahrgang 2017 von Otfried Kies Wormser Pfarreien Großgartach mit den Filialien Schluchtern und Nordheim, Massenbach, Schwaigern mit den Filialien Neipperg und Massenbachhausen.Hier waren hauptsächlich die von Neipperg Patronatsherr, daneben hatten Kloster Odenheim, Stift Wimpfen, die von Venningen, vom Neuenhaus und Lemlin Patronatsrechte.Als 1496 Worms den Bestand seiner dem Bistum gehörigen Güter überprüfte, verweigerte Württemberg den bischöflichen Herren den Zugang, ließ aber zu, dass der honorabilis vir (ehrsame Mann) Magister Johannes Prokman die cathedratica, die Stuhlsteuer an den Bischof, aus Brackenheim, Kirchheim, Meimsheim, Botenheim, Güglingen und Pfaffenhofen in der Gesamtsumme von 34 Pfund bezahlte.10 Zum Bistum Speyer gehörten in Bönnigheim (weltliches Lehen des Fürstbistums Mainz und Sitz des Dekanats) die Cyriakus-Kirche mit einem Leutpriester, zwei Kaplaneien und zwei Frühmessen, Michaelsberg mit Neu-Cleebronn und Erligheim; in Hofen die Ottilienkirche (Patronat von Urbach), in Niederransbach die Dionysiuskirche (Patronat Kloster Kirbach), dazu in Weiler Heiligkreuz, in Zaberfeld St. Mauritius, in Michelbach St. Georg, Kloster Mariental in Kirbach (davor Kloster Odenheim), in Häfnerhaslach St. Remigius und in Sternenfels die Kapelle (Filial von Kürnbach).Nach einer alten Pfarrerliste aus dem Archiv der Geistlichen Verwaltung Brackenheim wirkten 1351 im Zabergäu: "Der Pfarrer zu Meimsheim, der jetzt Erzpriester ist und sein Kaplan zu Dürrenzimmern und zu Hausen, der Pfarrer zu Bönnigheim, der jetzt Dekan ist und sein Frühmesser, der Pfarrer zu Brackenheim und zwei seiner Frühmesser, der Kaplan zu Haberschlacht, der Kirchherr von Nordheim, der Pfarrer zu Botenheim und sein Frühmesser zu Cleebronn, der Pfarrer auf dem Ruhelberg [Michaelsberg], der Pfarrer zu Knittlingen, der Pfarrer zu Gartach unter der Leinburg und sein Frühmesser, der Pfarrer zu Güglingen und sein Kaplan zum Sankt Katharinenaltar, der Pfarrer zu Pfaffenhofen und sein Frühmesser, der Pfarrer zu Ramsbach, Pfarrer Ulr[ich], der Sohn des Schmiedes in Brackenheim, und der Pfarrer Kon[rad] Schäfer"
Fields of Study & Subjects
Reformation and Early Modern Christianity
Historical Legal Studies and Society
Medieval and Early Modern Justice
Publication details
- Journal / source
- Zeitschrift des Zabergäuvereins
- Issue
- 3-4
- Pages
- 1–33
- Publication date
- 3 March 2026
- Language
- DE