Als es in Brackenheim noch eine Kirwe gab

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Authors: Gunter Keller
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Abstract

Die Kirchweih ist als Fest zur Erinnerung an die Einweihung eines Gotteshauses entstanden.Mit den unterschiedlichsten Namen 1 ist sie in fast ganz Süd-und Westdeutschland, im Rheinland wie in Hessen, Thüringen, außerdem im Elsaß, in der Schweiz, in Österreich und im niederländischsprachigen Raum verbreitet.Ein Zitat von 1593, gedruckt im Landkreis Augsburg, weiß "Von der Kirchweyhung": Umb die Kirchweyhung ist eß ein uralt Catholisch allgemain Fest, dann eß im alten Testament herrlich celebriert und gehalten worden, also, das man nit ein, sondern 8 Tag damit hat zuebracht.Im newen Testament, inn der ganzen Christenhait, in allen Stätten, Märkten, Dörfern, Ainöden (Einödhöfe, Allgäu), Weilern auf dem Land ist eß gib und geb." (Barth.Wagner, der Layen Krischenspiegel, Theirhapten 1593 Bl.69b.) 2 Kein weltliches Feiern am heiligen Sonntag Die Kirchweih-Erinnerung beging man als hohen Feiertag zur jährlichen Wiederkehr des Tages der Weihe des Gotteshauses an einem Sonntag mit einem festlichen Gottesdienst.3 Daran schloss sich dann ein weltliches Fest an, das stets mit vielen Sinnenfreuden für Gaumen, Augen und Ohren verbunden war.Diese Tradition hat sich mehr oder weniger in fast allen Zabergäugemeinden bis in die Gegenwart erhalten.Aber in Brackenheim gibt es seit Menschengedenken keine Kirwe.4 Warum?Die weltlich gefeierte Kirwe kam schon früh in Konflikt mit dem christlichen Verständnis der Sonntags-Heiligung.Insbesondere störte, dass sich die umliegende Bevölkerung gerne an den Festlichkeiten beteiligte und es fast jeden Sonntag irgendwo in der Nachbarschaft ein großes Volksfest gab.Bereits 1515 in der zweiten Landesordnung von Württemberg wollte die Obrigkeit die Festbesucher der Kirwe möglichst auf die örtlichen Bewohner beschränken.Item es sollent alle Kirchwyhinen verbotten sein, also das vff die rechten oder nachkirchwyhinen niemant kain fremd gastung haben soll, dann allain sein vater, bruder, schwestern, derselben oder aigne kinder, by gebot zwaier guldin.Man wollte verhindern dass scharenhaft große Gesellschaften von ainem fleken inn den andern die Kirwe von außerhalb besuchen.Ausnahmen gab es, so aber ainzechtig 5 personen vff ain kirchwyhin zu synen nachburn geen wölten, … zum wein oder tantz, das soll mit guter zucht vnd one ainich geverden zugeen, doch sich nit zu rottiern by gebot zehen guldin.6 Im Jahr 1520 äußerte sich Martin Luther äußerst negativ über die begangene Form des Kirchweihfests.Unter den überflüssigen Kirchenfesten sollte man die kirchweye ganz austilgen, seintemal sie nit anders sein dan rechte tabernn 7 , jarmarkt und spielhoffe worden, nur zur mehrung gotis unehre und der seelen unsel[ig]ckeit.Er geißelte ein Fest, das nur dem mißprauch mit sauffenn, spielenn, mussig gang unnd allerley sund [Sünd] gaht.8 In der Folge wiederholte die württembergische Landesregierung bis zu Beginn des 20.Jahrhunderts in weiteren Landesordnungen und Rescripten Restriktionen für das Feiern der weltlichen Kirchweih am Sonntag.9 Am Kirchweihsonntag durfte es keinerlei Bewirtungen oder dergleichen Sachen, wie vermeldet, wie bißher,

Fields of Study & Subjects

European Linguistics and Anthropology Historical Literary and Cultural Studies Religious Tourism and Spaces

Publication details

Journal / source
Zeitschrift des Zabergäuvereins
Issue
3
Pages
28–35
Publication date
26 February 2026
Language
DE