dörfliche Hausbaum

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Authors: Anton Pfeffer
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Abstract

Der dörfliche Hausbaum "Jedes Naturdenkmal ist ein Tor der Pietät, über dem sich Jahrhunderte wölben".Es steht am Wege, wenn wir längst nicht mehr sind, und die Bäume rauschten über den Häuptern unserer Väter, als uns noch das Nichts bettete.Naturdenkmale sind Elemente des Beharrens."Überhaupt: in der Ruhe mündet das große Gesetz des Lebens, nicht in der Hast und Unrast.Auch das stärkste Fortissimo der Novemberstürme, die in die Kronenharfen unserer Baumriesen greifen, mündet im großen Schwei- gen der Winterstille."Ruhe ist Lebenserfüllung, die uns flüchtigen Söhnen der Gegenwart aufgeht im Atemstrom des Ewigen.So ist jedes Naturdenkmal letzten Endes ein Abglanz der Größe und Allmacht des Schöpfers, eine Sinfonie des Lobes und Dankes.Jedes Lebewesen steht so unter göttlichem Urbefehl, und der Hausbaum ist gleichsam dessen Symbol.Dasselbe gilt vom Wald."Ohne Wald keine Quelle, ohne Wasser kein Leben, ohne Baum kein Deutschland (son- dern höchstens eine mitteleuropäische Wüste).Wald ist Heimat."(Wilhelm Koch)."Leser, wenn du Gemeinderat bist, dann sorge dafür, daß wieder eine Linde oder ein Nußbaum im Dorf gepflanzt wird, dort zwischen Kirche und Friedhof, neben der Schule oder beim Rathaus."Ein Baum gehört in den Mittelpunkt des Dorfes, und wo die geschlossene Gasse oder Straße keinen Hausbaum ge- stattet, muß die Linde oder ein Nußbaum in der Dorfmitte gleichsam für ihn einstehen und ihn ersetzen.Der Hausbaum steht im Kommen und Gehen der Geschlechter, ein Pol der Ruhe und des Beharrens.Einst gepflanzt von irgendeiner Hand, schreitet er, allem und allen zugetan, mit durch der Zeiten Glück und Sorge.Der zeitliche Atem des Hausbaumes geht dabei so langsam, daß ein Jahr für ihn ist wie für uns ein Tag.Seinen letzten Sinn empfängt der Hausbaum von der Gemein- schaft her, näherhin von der Hausgemeinschaft.Abermals ergibt sich: Menschenwerk und Natur brauchen keine Gegensätze zu sein, sondern können zu wundervoller Harmonie zusammenwachsen.Das weiß jeder, der schon eine Wettertanne neben dem First eines Bauernhauses aufragen sah, zwar verbeult vom Kampf mit den Mäch- ten der Natur, und doch wie die verkörperte Treue zur Heimat.Je älter ein Hausbaum, desto mehr steht in seiner "Chronik", desto mehr erscheint er als ein Stück der Ur- schrift Gottes im Antlitz der Heimat, als eine machtvolle, jahrhundertestarke Mahnung zur Treue gegenüber den Ahnen.Der Hausbaum ist aber auch ein Symbol der Kräfte, die an Grund und Boden fesseln.Es sind in Worten nicht zu beschreibende Empfindungen beim Gedanken, daß dieser Baum schon den Frieden der Wiege hütete, als der Groß- vater oder Urgroßvater ein Kind war, daß er ihre Knabenjahre und ihre Mannesjahre sah.Er war und ist ein Trauzeuge ganz eigener Art am Tage der Hochzeit.

Fields of Study & Subjects

Urban Arborization and Environmental Studies Landscape and Cultural Studies Religion Ecology and Ethics

Publication details

Journal / source
Schwäbische Heimat
Volume
7
Issue
5
Pages
209–210
Publication date
28 January 2026